Ludwig, Stephan - Zorn. Die Akte Heinlein

Zorn – Die Akte Heinlein von Stephan Ludwig ist der fünfzehnte Fall für Hauptkommissar Claudius Zorn und seinen Kollegen Schröder in Halle (Saale). Ausgangspunkt der Handlung ist ein verstörender Fund im winterlichen Stadtwald: Dackel Dumbo, mit dem Zorn spazieren war, entdeckt eine abgetrennte Männerhand. Zwei Finger fehlen, doch weder wird ein Vermisster gemeldet noch lässt sich die Identität zuordnen. Die Ermittlungen kreisen zunächst um die beunruhigende Frage, ob das Opfer überhaupt tot ist oder noch lebt. Erste Spuren führen zu dem Namen Heinlein sowie zu einem Feinkostgeschäft, das in einem undurchsichtigen Zusammenhang mit dem Fall steht.

Parallel verschärft sich der Druck auf Zorn, da seine Frau Frieda als Oberstaatsanwältin in die Ermittlungen involviert ist und berufliche wie private Spannungen entstehen. Ich habe Schlimmes befürchtet. Zorns impulsive Alleingänge bringen ihn schließlich selbst in akute Gefahr.

Der Roman lebt weiterhin stark vom Kontrast seiner Hauptfiguren: Zorn erscheint mürrisch, erschöpft und widerwillig, beweist jedoch in entscheidenden Momenten Instinkt und Hartnäckigkeit. Schröder agiert ruhig, analytisch und beinahe unscheinbar, bleibt aber die eigentliche Konzeptionelle Kraft der Ermittlungen.

Ihre eingespielte Zusammenarbeit und der trockene Humor lockern die düstere Grundstimmung auf, ohne sie zu relativieren. Wobei von dem gewohnten Witz hätte ich mir deutlich mehr gewünscht.

Spannung entsteht aus der fragmentarischen Beweislage und dem Gefühl einer unsichtbaren Bedrohung. Die winterliche Kulisse Halles verstärkt die trostlose Atmosphäre, während sich die Hintergründe des Verbrechens langsam entfalten und psychologische Abgründe sichtbar werden. Positiv hervorzuheben sind die beklemmende Stimmung, die charaktergetriebene Erzählweise und die glaubwürdige Weiterentwicklung der Figurenbeziehungen. Das bewusst gedrosselte Tempo und Zorns impulsive Entscheidungen können stellenweise frustrieren, tragen jedoch zu seiner Authentizität, die der Leser der Reihe schätzen gelernt hat, bei.

Insgesamt überzeugt der Band als düsterer, spannungsgeladener Fall, der persönliche Konflikte und unterschwellige Bedrohung stärker gewichtet als spektakuläre Action. Eine, wie immer gut gelungene Fortsetzung.