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 Gabriella Wollenhaupt  - Ein böses Haus


Über die Autorin:

Gabriella Wollenhaupt hat 35 Jahre als Redakteurin bei einer Zeitung, beim WDR-Radio und beim WDR-TV gearbeitet. Vor 30 Jahren hat sie die Grappa-Serie erfunden und seitdem jedes Jahr einen neuen Krimi mit der Journalistin Maria Grappa verfasst.

Kurzbeschreibung:

Eine zehnjährige Mörderin, die nicht strafmündig ist. Eine junge Frau, die die Wahrheit sucht. Und ein Kriminalkommissar, der den Verstand verliert. Hat die zehnjährige Lilli ihre schlafende Mutter mit mehreren Messerstichen getötet?Die Spurenlage lässt keinen anderen Schluss zu, aber die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen ein – denn Lilli schweigt und ist nicht strafmündig. Alix, die Schwester der Toten, zweifelt an der Schuld ihrer Nichte und recherchiert auf eigene Faust unter den Nachbarn der Verstorbenen. Nach und nach wird Alix klar, dass das Motiv für den Mord in der Vergangenheit ihrer Schwester liegen muss – und dass einige der Mieter kein Interesse daran haben, dass es gefunden wird …

Meine Gedanken zu dem Roman:

Für mich war dieser Krimi ein überraschendes Vergnügen. Da ich die Autorin noch nicht kannte, war mir auch ihre bekannte Grappa-Reihe nicht geläufig. Doch das feine Gefühl für Humor und Satire muss ich loben. "Ein böses Haus" hat mich ausgesprochen gut unterhalten. Ehrlich gesagt, wundere ich mich über die teilweise schlechte Bewertungen.

Die Hauptcharaktere der Geschichte fand ich wunderbar lebendig gezeichnet. Keine Protagonisten, die dem Leser fern bleiben. Viele kleine liebevolle Details, die einen Menschen und seinen Charakter ausmachen. Ein feines Kopfkino. Als eine junge Frau, die als Alkoholikerin bekannt ist, von ihrer zehnjährigen Tochter, die an Autismus leidet, erstochen wird, sind die Behörden und Medien sprachlos. Unglaublich gewaltvoller Akt von einem Kind, das die Welt anders wahrnimmt. Die Schwester der Verstorbenen kommt angereist, und versucht auf eigenen Faust den Ermittlungen zu helfen. Dabei tut sie sich mit der „guten Seele“ des Mietshauses, Julia und anderen Nachbarn zusammen, wie auch dem Hauptkommissar Louis, der Gefühle für die attraktive Alix, entwickelt.

Die Ermittlungen sind keineswegs distanziert und kalt dargestellt. Der Roman lebt von witzigen, lebhaften Dialogen, von überspitzt gezeichneten Gestalten, von humorvollen Wendungen und Details.

Was die überraschenden Wendungen betrifft, so lagen die eher in der Beschreibungen und erzählerischen Fertigkeit der Autorin. Die Handlung konnte ein geübter Krimileser grob vorhersehen. Was mich persönlich nicht gestört hat, denn ich war fast bis zum Schluss unsicher. Außerdem hat mir der knackiger, auf den Punkt... Erzählstil von der Autorin so gut gefallen, dass sie mit einem neuen Fan in mir rechnen kann. Ich werde ganz sicher ihre Grappa Reihe lesen. :thumleft:

Versuch einer objektiven Bewertung meinerseits: Kein ungewöhnlicher Plot, zum Teil klischeehaften Charaktere. Für die Fans der Autorin und Liebhaber eines lockeren Krimis optimal. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: 4 Sterne.

Meine subjektive Erfindung: Ich möchte den Krimi loben. Herrliches Vergnügen, denn ich habe herzlich gern geschmunzelt und werde weitere Bücher der Autorin sehr gern lesen. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: 4,5 Sterne.

P.S was ich wirklich sehr schade fand, war das einfallslose Cover, das dem Buch kein Gefallen tut.


 Franzobel - Einsteins Hirn

 Über den Autor:

Franzobel, geboren 1967 in Vöcklabruck, erhielt u. a. den Ingeborg-Bachmann-Preis (1995), den Arthur-Schnitzler-Preis (2002) und den Nicolas-Born-Preis (2017). Bei Zsolnay erschienen zuletzt der Krimi Rechtswalzer (2019) sowie die in zahlreiche Sprachen übersetzten historischen Romane Das Floß der Medusa (2017) und Die Eroberung Amerikas (2021).

Kurzbeschreibung:

Am 18. April 1955 kurz nach Mitternacht stirbt Albert Einstein im Princeton Hospital, New Jersey. Seinem Wunsch entsprechend wird der Körper verbrannt und die Asche an einem unbekannten Ort verstreut. Vorher jedoch hat der Pathologe Thomas Harvey Einsteins Hirn entfernt, danach tingelt er damit 42 Jahre durch die amerikanische Provinz. Mit ihm erlebt Harvey die Wahl John F. Kennedys zum Präsidenten und die erste Landung auf dem Mond, Woodstock und Watergate und das Ende des Vietnamkriegs; und irgendwann beginnt das Hirn, mit Harvey zu sprechen.
Franzobels neuer Roman ist ein hinreißender Trip durch wilde Zeiten und zugleich die Lebensgeschichte eines einfachen, aber nicht gewöhnlichen Mannes, den Einsteins Hirn aus der Bahn wirft.

Meine Gedanken zu dem Roman:

Eine absurde Geschichte, die es wert ist, gelesen zu werden.

Thomas Stoltz Harvey ist ein bescheidener Mann, der kaum jemanden auffällt. Er ist Pathologe, wobei er eigentlich ein Arzt werden wollte, doch aufgrund einiger Schwierigkeiten hat es dazu nicht gereicht, so wurde er zumindest ein Pathologe, schließlich auch ein Mediziner. Thomas ist verheiratet und erzählt in diesem Roman auch seine Liebesgeschichte, die reichlich schön ist, denn seine Frau ist schon ein besonderes Exemplar von einem verstreuten, tolpatschigen, romantischen Menschen, den man wirklich gerne haben kann.

Wie der Zufall es will, sollte Thomas Harvey die Leiche des Weltgenies Albert Einsteins, nach seinem Ableben, obduzieren. Da ist schon die skurrile Geschichte um Thomas und Einsteins Hirn im vollen Gange. Die Menschen, die mit Thomas zusammenarbeiten, lassen es sich nicht nehmen, Souvenirs von der Leiche zu behalten. Was auch Thomas auf eine grandiose Idee bringt: Er entnimmt das Gehirn des Genies und behält es, so zu sagen, zu weiteren Untersuchungen.

Im Laufe der Geschichte wird es noch skurriler und sonderbarer, Einsteins Gehirn fängt an, sich mit dem Pathologen zu unterhalten. Dies ist das Hauptthema des Romans, die Dialoge und Gedankengänge des Gehirns sind absolut lesenswert.

Nebenbei erfahren wir sehr viel über das Leben von Thomas Harvey. Er erinnert sich an seine schwierige Kindheit, Jugend, Aufenthalt in einem Sanatorium wegen Tuberkulose, erste Liebe, Trennung und so weiter. Der Lebensweg eines unauffälligen Mannes steht im Vordergrund dieser Geschichte und lässt den Leser interessiert aufhorchen.

Wie man der beschriebener Handlung entnehmen kann, merkt man, dass diese Geschichte alles andere als ernst zu nehmen ist. Ein groteskes, abwegiges Gedankenexperiment des Autors auf der Grundlage wahrer Begebenheiten. Ein sprechendes Hirn, das hat doch was. Den Roman sollte man vielleicht nicht so ernst nehmen, sonst würden die Absurditäten und humorvoller Austausch zwischen dem Einsteins Gehirn und Thomas womöglich nicht so gut gefallen. Dieser Roman von Frantzobel besticht mit seiner Originalität, Spannung kommt nur stellenweise auf. Sprachlich fand ich die Geschichte ausgefallen und auch gut, mir haben die humorvollen Ideen, Wortspielereien, witzige Metaphern gut gefallen. Mein Problem war eher die Tatsache, dass bei diesem Umfang von mehr als 500 Seiten, hält kein Witz stand. Es ist zu viel, zu lang und nicht mehr originell, sondern eher albern.

Der Überblick über die Geschichte von Thomas Harvey, der fast sein ganzes Leben, er wurde schließlich über 80zig Jahre alt, das Gehirn bei sich trägt, fand ich in Bezug auf die allgemeine Geschichte des Landes interessant. Allerdings von der geballten Ladung an Witz und Wortspiel war ich eher überrascht. Empfehlenswert finde ich den Roman jedoch auf jeden Fall: eine ausgefallene Idee, Wortwitz, sprachlich flüssig und geistreich, interessanter Charakter.

Von mir gibt es 4 Sterne und eine Empfehlung.