Posts mit dem Label Autismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Autismus werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Gregg, Stefanie - Das Glaskind

 Eine dramatische, gefühlsvolle Geschichte, die einen beschäftigt und bewegt. In der Regel drehen sich solche Familiendramen um das Kind, das krank ist und zusätzliche Fürsorge braucht, doch die Autorin Stefanie Gregg hat in dieser Geschichte den Spieß umgedreht und widmete den Roman dem Geschwister zu. Die Hauptdarstellerin Maya kommt aus einer Familie, in der ein Kind, mit besonderen Bedürfnissen, aufwächst. Ihr Bruder bedarf eine enorm große Zuwendung, um im Alltag zurechtzukommen. Doch um das besondere Kind geht es in der Story nicht, sondern um das vernachlässigte Kind, das zu früh Verantwortung für den benachteiligten Bruder übernehmen muss. Die Interessen des Mädchens bleiben auf der Strecke, die Aufmerksamkeit der Eltern geht an ihm vorbei, da auch die Mutter all ihre Kraft in das besondere Kind, das mehr Hilfe bedarf, investieren muss. Wie das Leben von Maya sich entwickelt, welche Auswirkungen so eine Kindheit auf ihren Charakter, auf ihren Lebensweg hat, erzählt der Roman. 

Gefangen zwischen Schuld und dem Pflichtgefühl, lernt die junge Frau, mithilfe von außerhalb ihr Lebensbild zu überdenken. Dieser Prozess ist alles andere als einfach. Eine bewegende und nachdenklich stimmende Geschichte, die flüssig erzählt worden ist und viele emotionale Momente bietet. 

Ich habe das Hörbuch gehört, das von einer sehr angenehmen, unaufdringlichen, ruhigen Stimme von Lina Syren gesprochen wurde. Das Hörbuch dauert etwas über 6 Studen. Und wird von mir auf jeden Fall weiterempfohlen. Eine schöne, zum Teil traurige und doch hoffnungsvolle Geschichte.

Baldini, Laura - Aspergers Schüler

Kurzbeschreibung:

Als die junge Psychologin Sarah 1986 zu Forschungszwecken nach Wien zieht, kommt sie der erschütternden Geschichte einer Klinik während der Nazi-Zeit auf die Spur:

Wien, 1926: Erich ist acht Jahre alt, als er in die Uniklinik zu Dr. Hans Asperger kommt. Erich sieht die Welt nicht wie andere Kinder. Er kann hochkomplexe mathematische Probleme lösen, aber es fällt ihm schwer, seine Gefühle zu zeigen. Nach schrecklichen Jahren in einer Pflegefamilie wird er hier ganz anders behandelt. Man hört ihm zu, man versteht ihn. Die Krankenschwester Viktorine schließt Aspergers kleinen Schüler ganz besonders ins Herz. Für sie bricht eine Welt zusammen, als die bahnbrechende Arbeit ihrer Abteilung vom NS-Regime vereinnahmt wird. Während Asperger sich mit den neuen Machthabern arrangiert, ist Viktorine entsetzt, als sie erfährt, was an der Klinik am Spiegelgrund vor sich geht. Für Erich wird es lebensgefährlich.

 Meine Gedanken zu dem Roman:

Mit großer Freude habe ich den Roman über den genialen und auch umstrittenen Dr. Hans Asperger (1906-1980) gelesen. Der österreichische Kinderarzt und Leiter der Heilpädagogischen Abteilung für Kinder der Uniklinik Wien wurde dadurch bekannt, dass er als erster eine Erkrankung, oder besser gesagt ein bestimmtes Verhalten autistischer Kinder als Asperger-Syndrom, der nach ihm benannt worden ist, beschrieben hat. Er hat eine völlig neue Richtung in der Behandlung und Umgang mit betroffenen, genialen Kindern vorgegeben. Leider ist seine Karriere nicht nur vom Positiven und großem Verdienst gekennzeichnet. Als die Mitarbeiter der Klinik 1938 von Naziregime fliehen mussten, ist Dr. Asperger geblieben. Seine bis heute nicht in allen Fragen klare Rolle ist nicht ganz durchleuchtet, doch der Verdienst des bemerkenswerten Arztes und Kenner der kindlichen Entwicklung und Psyche ist unbestritten. 

Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten und wird in zwei Zeitebenen erzählt. Zu einem haben wir die Jahre um 1936 in der Heilpädagogischen Abteilung der Kinderklinik, zu anderem verfolgen wie die Nachforschungen einer jungen Psychologiestudentin im Jahr 1986. Für Abwechslung und ein besseres Verständnis und Empathie sorgen die unterschiedlichen Erzählperspektiven. Besonders die Ich-Perspektive des betroffenen Jungen bleibt einem in Erinnerung. Die damalige NS-Zeit wird unbeschönigt dargestellt. Stellenweise ist der Roman sehr schwer verdaulich. Doch dies alles muss gesagt werden. Es ist vom Vorteil, wenn nicht nur das Positive an einem historischen Erreignis dargestellt wird, die Menschen dürfen die Gräueltaten dieser Zeit nicht vergessen. Ein lesenswerter Roman, der in einer recht einfachen Sprache verfasst worden ist. 

 Gabriella Wollenhaupt  - Ein böses Haus


Über die Autorin:

Gabriella Wollenhaupt hat 35 Jahre als Redakteurin bei einer Zeitung, beim WDR-Radio und beim WDR-TV gearbeitet. Vor 30 Jahren hat sie die Grappa-Serie erfunden und seitdem jedes Jahr einen neuen Krimi mit der Journalistin Maria Grappa verfasst.

Kurzbeschreibung:

Eine zehnjährige Mörderin, die nicht strafmündig ist. Eine junge Frau, die die Wahrheit sucht. Und ein Kriminalkommissar, der den Verstand verliert. Hat die zehnjährige Lilli ihre schlafende Mutter mit mehreren Messerstichen getötet?Die Spurenlage lässt keinen anderen Schluss zu, aber die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen ein – denn Lilli schweigt und ist nicht strafmündig. Alix, die Schwester der Toten, zweifelt an der Schuld ihrer Nichte und recherchiert auf eigene Faust unter den Nachbarn der Verstorbenen. Nach und nach wird Alix klar, dass das Motiv für den Mord in der Vergangenheit ihrer Schwester liegen muss – und dass einige der Mieter kein Interesse daran haben, dass es gefunden wird …

Meine Gedanken zu dem Roman:

Für mich war dieser Krimi ein überraschendes Vergnügen. Da ich die Autorin noch nicht kannte, war mir auch ihre bekannte Grappa-Reihe nicht geläufig. Doch das feine Gefühl für Humor und Satire muss ich loben. "Ein böses Haus" hat mich ausgesprochen gut unterhalten. Ehrlich gesagt, wundere ich mich über die teilweise schlechte Bewertungen.

Die Hauptcharaktere der Geschichte fand ich wunderbar lebendig gezeichnet. Keine Protagonisten, die dem Leser fern bleiben. Viele kleine liebevolle Details, die einen Menschen und seinen Charakter ausmachen. Ein feines Kopfkino. Als eine junge Frau, die als Alkoholikerin bekannt ist, von ihrer zehnjährigen Tochter, die an Autismus leidet, erstochen wird, sind die Behörden und Medien sprachlos. Unglaublich gewaltvoller Akt von einem Kind, das die Welt anders wahrnimmt. Die Schwester der Verstorbenen kommt angereist, und versucht auf eigenen Faust den Ermittlungen zu helfen. Dabei tut sie sich mit der „guten Seele“ des Mietshauses, Julia und anderen Nachbarn zusammen, wie auch dem Hauptkommissar Louis, der Gefühle für die attraktive Alix, entwickelt.

Die Ermittlungen sind keineswegs distanziert und kalt dargestellt. Der Roman lebt von witzigen, lebhaften Dialogen, von überspitzt gezeichneten Gestalten, von humorvollen Wendungen und Details.

Was die überraschenden Wendungen betrifft, so lagen die eher in der Beschreibungen und erzählerischen Fertigkeit der Autorin. Die Handlung konnte ein geübter Krimileser grob vorhersehen. Was mich persönlich nicht gestört hat, denn ich war fast bis zum Schluss unsicher. Außerdem hat mir der knackiger, auf den Punkt... Erzählstil von der Autorin so gut gefallen, dass sie mit einem neuen Fan in mir rechnen kann. Ich werde ganz sicher ihre Grappa Reihe lesen. :thumleft:

Versuch einer objektiven Bewertung meinerseits: Kein ungewöhnlicher Plot, zum Teil klischeehaften Charaktere. Für die Fans der Autorin und Liebhaber eines lockeren Krimis optimal. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: 4 Sterne.

Meine subjektive Erfindung: Ich möchte den Krimi loben. Herrliches Vergnügen, denn ich habe herzlich gern geschmunzelt und werde weitere Bücher der Autorin sehr gern lesen. :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertungHalb: 4,5 Sterne.

P.S was ich wirklich sehr schade fand, war das einfallslose Cover, das dem Buch kein Gefallen tut.