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 Rozina, Roman - Hundert Jahre Blindheit

In seinem ausführlichen Roman spiegelt der Autor Roman Rozina die Geschichte seines Landes Slowenien im 20. Jahrhundert an Beispiel einer Bergarbeiterfamilie. In seinem Roman umfasst der Autor ein Zeitraum von 100 Jahren. Hauptthema des Romans ist ein Leben von einfachen Leuten, dessen Dasein von Bergbau bestimmt wird, in einem fiktiven Ort Podgorje. Die Familie Knap, die im Mittelpunkt der Geschichte steht, wird im Verlauf dieser Zeit über Generationen begleitet. Sehr gut hat mir gefallen, dass der Roman chronologisch erzählt wird, da es auch trotz der Fülle von Namen, Charakteren und Geschehnissen, keine Anstrengung bedurfte, der Geschichte mit voller Konzentration zu folgen. Soziale, gesellschaftliche, historisch und politische Umbrüche und Veränderungen finden in diesem Roman Anklang. Als roter Faden zieht sich das Leben des blinden Matija durch die Geschichte. Wer Freude an geschichtlichen, nachdenklichen, tiefgehenden Betrachtungen der Entwicklung eines Landes hat, ist bei diesem Roman richtig. Ich kann die Lektüre sehr gerne weiter empfehlen. Interessant, aufschlussreich, lebendig erzählt und informativ.

 Jones, Edward P. - Die bekannte Welt

Dies hier ist der erste Roman von Edward Jones, der gleich mit Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde. Erzählt wird die Geschichte eines Schwarzen zur Zeit der Sklaverei. Henry wurde von seinem Vater, der zuvor sich, dann auch seine Frau und später seinen Sohn, freigekauft hat. Henry wächst selbst zu einem Plantage- und Sklavenbesitzer. Ein Schwarzer, der über andere Schwarzen bestimmt. Er übernimmt die Werte und Normen der Weißen zu damaligen Zeit. Daher auch der Titel des Romans, es ist eine bekannte Welt für Henry. 

Plastisch und lebendig wird der Alltag des Sklavenhandels und Sklavenhaltens dargestellt. Die Meinung des Autors zu dem Thema, seine Haltung kommen durchaus in dem Roman zu Geltung. Ob die Einsichten richtig oder falsch sind, muss der Leser selbst entscheiden. Sklavenhaltung, die "Logik" dahinter, Rassismus werden anhand der fiktiven Charaktere behandelt. Der Erzählstil ist zum Teil derb, vermutlich realitätsnah und nicht immer in dem Tonfall nachvollziehbar. Viele Passagen, besonders die, die menschliche Abgründe behandeln, haben mich beeindruckt, doch es gab auch einiges in dem Roman, das ich nicht mochte. Das Skizzenhafte oder die viele kleinen Geschichten in Geschichte war für mich weniger zugänglich. Insgesamt vermittelt dieser Roman einen guten Eindruck vom Leben und der Gesellschaft der damaligen Zeit. Eine lesenswerte Geschichte.


 Michiko Aoyama - Frau Komachi empfiehlt ein Buch


Über die Autorin:

Michiko Aoyama, geboren 1970 in der Präfektur Aichi, lebt heute in Yokohama. Nach ihrem Universitätsabschluss arbeitete sie zwei Jahre lang als Reporterin für eine japanische Zeitung in Sydney. Nach ihrer Heimkehr war sie zunächst als Zeitschriftenredakteurin in einem Tokioter Verlag tätig, bevor sie sich ganz dem literarischen Schreiben widmete. «Frau Komachi empfiehlt ein Buch» ist in Japan ein Bestseller und erscheint in über zwanzig Ländern.

Kurzbeschreibung:

«Wonach suchen Sie?» Diese Frage stellt Sayuri Komachi allen Besuchern in ihrer kleinen Gemeindebibliothek in Tokio. Und sie meint die Frage durchaus im übertragenen Sinne. Denn die weise Bibliothekarin spürt genau, wonach die Menschen im Leben suchen: von der rastlosen Verkäuferin, die mit ihrem Job hadert, dem schüchternen Buchhalter, der davon träumt, ein Antiquitätengeschäft zu eröffnen, oder der frischgebackenen Mutter, die sich zwischen Beruf und Familie aufreibt … Sie alle befinden sich in einer Sackgasse. Und alle führt es früher oder später zu Frau Komachi in die Bibliothek. Ihre überraschenden Buchempfehlungen haben ungeahnte Folgen. Die Lektüre entpuppt sich als Katalysator für eine andere Denkweise und eröffnet neue Wege. Und letztlich hilft sie den Besuchern, ihre aktuelle Lebenskrise zu meistern. Denn Frau Komachi weiß: Bücher haben magische Kräfte und sind eine verlässliche Quelle der Inspiration

Meine Gedanken zu dem Roman:

Es ist interessant zu erfahren, dass dieser Roman in Japan ein Bestseller und einen großen Erfolg feiert. Bei uns wird dieses Buch vermutlich nicht so große Wellen schlagen, denn es ist eine nette, liebevolle Geschichte für Zwischendurch. Nicht mehr. Nett zu lesen, doch im Gedächtnis bleibt die eher nicht. Auch wenn bei den Bücherliebhabern das Herz schneller schlägt, wenn die Worte: Lesen, Bibliothek, Bücher, fallen.

Diese einfach gestrickte Geschichte erzählt in fünf Teilen, die letztendlich miteinander verbunden sind, von fünf Menschen, deren Leben durch das Treffen mit Frau Komachi und eine Buchempfehlung, die für sie ausgewählt worden ist, in gewisser Weise verändert wurde. Die Erzählungen laufen nach einem gleichen Schema ab: Die Bibliothekarin stellt ihre Frage, und entweder aus dem Gespräch oder auch mit Hilfe ihrer Intuition und Gedanken, findet sich ein passendes Buch, dass die Sichtweise des Lesers beeinflusst und gar verändert.

Gewöhnliche Menschen, wie du und ich, finden zu Frau Komachi. Es ist ein Verkäufer dabei, ein Buchhalter, Rentner und auch ein Arbeitslose. Alle haben ihre ganz persönlichen Geschichten und dennoch verbindet alle ein Thema.

Eine nachdenklich stimmende Geschichte, dazu herzlich und innig erzählt, bietet dem Leser schöne Lesestunden und vielleicht auch ein wenig Hoffnung.

Versuch einer neutralen Bewertung: Warmherzige Geschichte, die angenehme Lesestunden mit sich bringt. 4 Sterne

Mein persönliches Empfinden: Durchaus lesenswert, doch kein bleibender Eindruck. Von mit 3 Sterne.


 Ella Zeiss - Der Hunger nach Leben

Über die Autorin: / Amazon

Ella Zeiss wurde 1980 in Alma-Ata / Kasachstan geboren. Im Alter von zehn Jahren zog sie als Aussiedlerin mit ihren Eltern und Großeltern in die Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Abitur studierte sie BWL und internationales Management an der Universität Münster und der Copenhagen Business School und arbeitete anschließend mehrere Jahre in der freien Wirtschaft. Jetzt wohnt sie in der Nähe von Köln und widmet sich hauptberuflich dem Schreiben. Mit ihrer authentischen Familiensaga »Tage des Sturms« gewann Ella Zeiss den Kindle Storyteller Award 2018.

Kurzbeschreibung: / Amazon

Ukraine 1930: Fassungslos muss der elfjährige Noah zusehen, wie sein Vater als Volksverräter verleumdet und verurteilt wird. Die Familie verliert alles, was sie je besaß. Von nun an versucht Noah alles, um seine Mutter und seine Geschwister vor dem Verhungern zu bewahren. Als er auf einem seiner Streifzüge Jakobine kennenlernt, wird sie sein Lichtblick in der harten Zeit. Auch wenn die Not groß ist, gibt er nie auf.

Zehn Jahre später hat Noah sich endlich eine sichere Zukunft erarbeitet und den Mut gefunden, um Jakobines Hand anzuhalten, da zwingt ihn das Schicksal erneut auf einen anderen Weg …

Meine Gedanken zu dem Roman:

Mit großer Freude habe ich den Roman von Ella Zeiss gelesen. Dabei handelt es sich um eine tragische Geschichte einer deutschen Familie in der Ukraine, doch der Handlungsort könnte ein beliebiger in Sowjetunion sein. Geschichtlich greif der Roman die 30er Jahre auf, wo die Sowjets an der Macht gewannen und eine allgemeine politische Umstrukturierung des Landes durchführten. In dieser Zeit geht es vermehrt um die Verfolgung sogenannten Volksfeinden. Dabei wurden die Hintergründe nicht groß ermittelt, die Menschen wurden auf härteste bestraft. Dazu reichte schon eine Denunzierung eines Nachbars. Politische Situation sah folgend aus: Die Menschen sollten keine eigene Meinung haben, und wenn doch, dann dürften die diese nicht bedenkenlos aussprechen. Die Menschen wurden zum Denunzieren ermutigt, und da war es ein Leichtes eine unsympathische Person an die Regierung zu liefern, mit verheerenden Folgen. Enteignung aller Leute stand auf dem Programm. Die Reichen dieser Welt jedoch blieben verschont. Die Religion wurde verboten und Gläubige wurden verfolgt. Hunger, Elend und Not herrschten im Land.

Die Familie von Noah hat extrem gelitten. Als der Vater als Volksfeind denunziert worden ist, ging es mit der Familie bergab. Kein Geld, keine Arbeit, kein Eigentum, kein Haus, keine freundliche Hilfe... Die Familie blieb buchstäblich ohne nichts. Der Hauptcharakter des Romans Noah war zu dem Zeitpunkt ein zehnjähriger Junge, der eine Bürde auf sich nahm, sich um die Familie zu kümmern. Schlimme, schwere und traurige Jahren standen der Familie bevor, als der Vater zu zehn Jahren Gefängnis und zehn Jahren Arbeitslager verurteilt wurde. Der Roman erzhält über das Leben von Noah und seiner Familie von Kindheit an bis ins Erwachsenenalter.

Die Handlung des Romans erlebt der Leser mit den Augen eines auktorialen Erzählers, der sich auf die Sicht des Hauptcharakters konzentriert. Noahs kindlichen Erlebnisse sind erschreckend und ganz sicher keine leichte Kost. Dennoch ist es sehr spannend zu erleben, wie Noah sich entwickelt, welchen Weg er einschlägt, welche Ereignisse prägen sein Leben und das Leben seiner Familie. Der Roman ist weder pathetisch noch aufdringlich. Die Geschichte wird mit der gewissen Ruhe erzählt, was die Wirkung der Handlung um so stärker und emotionaler macht. Es ist kein Roman, der leicht ist, dafür aber absolut gut gelungen in seiner Traurigkeit, Ausweglosigkeit, und wahrheitsgemäßem Berichten. Dieses Buch geht zum Herzen. Man kann als Leser kaum glauben, wie böswillig und hinterhältig die Menschen sein können, doch man muss es glauben, denn es gibt zahlreiche Berichte über diese historische Zeit. Und die sind traurig. Sehr fesselnd und eindrucksvoll erzählt. Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine Empfehlung.