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Midwood, Ellie - Die Violinistin von Auschwitz

  Der Autorin Ellie Midwood merkt man ihren aktiven Bezug zu dem schwierigen Thema an. Schon als Kind hat sie der Erzählungen ihres Großvaters, der in dem 2. Weltkrieg war, zugehört. Emotional und eindringlich erzählt sie die Geschichte von begeisterten, erfolgreichen und weltbekannten Geigerin Alma Rosé.

 Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft wurde die berühmte Geigerin in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert. Ihre musikalischen Fähigkeiten und Mut fielen auf, sodass die Aufseherinnen des Lagers, die über enorm viel Macht verfügten, dafür sorgten, dass Alma Rosé eine Violine bekam. Ihre Aufgabe von da an war ein Mädchenorchester, das zu Unterhaltung der SS Offizieren diente, zu organisieren und zu leiten. Durch die erworbene Stellung hatte Alma die Möglichkeit einigen Mädchen das Leben zu retten und vielen zu helfen. Doch dieser Einsatz bedurfte enorme Kräfte und Mut, was die Hauptdarstellerin der Geschichte mit sich brachte. Eine leidenschaftliche Musikerin, die mit der gleichen Hingebung sich der Hilfe für andere Gefangene verschrieb. Die Tapferkeit, Mut und geschicktes Vorgehen zeichnen diese Frau aus. 

Der Roman ist keine leichte Kost, was man natürlich bei dem Thema, von vornherein weiß, doch eine fesselnde Geschichte, die natürlich nicht kaltlässt. Eine eindringliche Botschaft des Romans überzeugt. Der Roman ist fesselnd erzählt und emotional sehr bewegend. Am Ende der Geschichte nimmt die Autorin Bezug auf die Quellen, auf die historischen Persönlichkeiten und Fakten. Der Roman erzählt von wahren Begebenheiten und kommt nur mit wenig Fiktion aus. Ein trauriges Schicksal und ein empfehlenswertes Buch.

 Boyne, John - Als die Welt zerbrach


Über den Autor:

John Boyne, geboren 1971 in Dublin, ist einer der renommiertesten zeitgenössischen Autoren Irlands. Seine Bücher wurden in mehr als vierzig Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit seinem Roman »Der Junge im gestreiften Pyjama«, der weltweit zum Bestseller wurde und von der Kritik als »ein kleines Wunder« (The Guardian) gefeiert wurde.

Kurzbeschreibung:

1946. Drei Jahre nach dem katastrophalen Ereignis, das ihre Familie zerriss, fliehen eine Mutter und ihre Tochter von Polen nach Paris. Blind vor Sorge und Schuldgefühlen ahnen sie nicht, wie schwer es ist, der Vergangenheit zu entkommen.

Fast achtzig Jahre später führt Gretel Fernsby in ihrem Londoner Villenviertel ein ruhiges Leben, Welten entfernt von der traumatischen Kindheit. Als eine junge Familie in die Wohnung unter ihr zieht, hofft sie, dass die eingespielte Hausgemeinschaft nicht aus dem Gleichgewicht gerät. Doch der neunjährige Henry weckt Erinnerungen, denen sie sich nicht stellen will.

Meine Gedanken zu dem Roman:

Den Roman "Der Junge im gestreiften Pyjama" kennen sehr viele Leser. Eine eindringliche Geschichte. Dass es eine Fortsetzung des Romans gibt, hat mich, ehrlich gesagt, zunächst überrascht. Doch im Nachhinein muss ich sagen, dass es eine gut gelungene Idee des Autors war, den Roman "Als die Welt zerbrach" stellenweise auf dem ersten Roman aufzubauen. Der Bezug ist zwar nicht allzu groß, sodass man beide Roman absolut unabhängig voneinander lesen kann, dennoch ergänzen die sich gut.

In dieser Geschichte geht es um Gretel Fernsby. Da die Geschichte in zwei Erzählsträngen erzählt wird, erleben wir die Hauptprotagonistin, als junges Mädchen, junge Frau und im Alter von über 90zig Jahre. Der Wechsel der Zeitebenen erfolgt flüssig, sodass man keinerlei Schwierigkeiten hat, der Geschichte zu folgen. Mir persönlich hat der Part um die Gretel als alte Dame am meisten gefallen. Mit sehr viel Gefühl wird ihr Leben am Ende des langen Weges beschrieben.

Die wichtigste Frage des Romans ist die Schuldfrage. Sind die Kinder für die Taten ihrer Väter verantwortlich? Im Fall von Gretel ist die Schuldfrage enorm und unbeschreiblich schwerwiegend, so sehr, dass Gretel darüber nicht einmal reden kann. Ihr Vater war der Kommandant des Konzentrationslagers Auschwitz. Die Schuld quält die Hauptprotagonistin ihr Leben lang, unaufhörlich. Der Roman liefert jedoch keine Antworten. Sehr nachdenklich stimmend und im Gedächtnis bleibend ist diese Geschichte, die den Leser nicht kaltlässt. Die Geschehnisse am Ende des Romans, die für mich absolut unerwartet kamen, versöhnt womöglich die Hauptfigur mit ihrer Schuld, doch auch hier liefert John Boyne keine klaren Antworten.

Die Lesung des Romans, den ich als Hörbuch gehört habe, dauert fast 12 Stunden. Doch keine Minute ist langatmig. Mit großem Vergnügen habe ich der Stimme von Elisabeth Günther gelauscht. Eine fähige Sprecherin, die ihre Stimme an die unterschiedlichen Protagonisten anpasst, um bestimmten Charaktereigenschaften noch zu betonen. Es hat mir sehr gut gefallen, wie es vorgetragen wurde. Das vorliegende Buch ist eine ungekürzte Ausgabe.

Ich würde das Hörbuch auf jeden Fall weiterempfehlen. Eine schwierige Geschichte, die keine Antworten liefert, doch sehr aufwühlend und berührend ist. Von mir gibt es 4,5 Sterne. Sehr schönes Hörbuch.


 Polian, Pavel - Briefe aus der Hölle


Über den Autor:

Pavel Polian, geb. 1952, Prof., Dr. habil, ist Zeithistoriker, Kulturgeograph und - unter dem Pseudonym Pavel Nerler - Literaturwissenschaftler. Er ist Verfasser bzw. Herausgeber von mehreren Dutzend Büchern zur Geschichte des II. Weltkrieges, zu Holocaust, Zwangsarbeit und Kriegsgefangenschaft, Bevölkerungs- und Migrationsgeographie und zur russischen Poesie des 20. Jahrhunderts; zuletzt erschien auf Deutsch "Ossip Mandelstam s letzte Jahre". Langjähriger Mitarbeiter der Russischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Freiburg, Gründer und Vorsitzender der Mandelstam-Gesellschaft und z.Z. Direktor des Mandelstam-Zentrums bei der Nationalen Forschungsuniversität Hochschule für Wirtschaft, Moskau. Pavel Polian wohnt mit seiner Frau seit 1991 in Freiburg.

Kurzbeschreibung:

Als 2017 das Zeugnis Marcel Nadjaris an die Nachwelt mit aufwändiger Technik entziffert werden konnte, war dies eine Sensation: Die letzte der »Aufzeichnungen aus der Hölle«, der geheimen Aufzeichnungen der jüdischen Häftlinge des Sonderkommandos in Auschwitz-Birkenau, war wieder lesbar gemacht. Die Mitglieder des Sonderkommandos wurden von der SS gezwungen, bei dem Massenmord in den Krematorien, dem Verbrennen der Leichen, bei der Entsorgung der Asche von Hunderttausenden Menschen mitzuhelfen. Dass einige von ihnen den Drang verspürten, schriftliche Zeugnisse des Grauens zu verfassen, ist von erschütternder Menschlichkeit. Dass einige dieser Zeugnisse auf die Nachwelt kamen, damit rechneten die Nationalsozialisten nicht. Erstmals versammelt dieser Band alle erhaltenen neun Zeugnisse in deutscher Übersetzung und bettet sie mit ausführlichen Essays in den Entstehungszusammenhang ein. Es sind die zentralen Dokumente des Mordes an den Juden - und Schriftstücke zutiefst bewegender Humanität.

Meine Gedanken zu dem Buch:

Das vorliegende Buch ist eine Sammlung an Notizen, Tagesberichten, Essays, die mehr oder weniger chronologisch präsentiert werden. "Die von Pavel Polian herausgegebenen Notizen und Briefe von sechs Angehörigen des Sonderkommandos, darunter Marcel Nadjari, Salmen Gradowski und Lejb Langfuß, sind unerlässlich für das Verständnis und die historische Aufarbeitung des Massenmordes in Auschwitz." Mit großem Interesse und einem Entsetzen habe ich den Berichten der "Aufzeichnungen aus der Hölle" zugehört. Diese Zeitzeugnisse aus dem Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau haben schon beinahe durch ein Wunder den Weg zu der heutigen Leser gefunden.

Marcel Nadjari, einer der vielen, die ins KZ Auschwitz - Birkenau verschleppt wurde, wurde gezwungen im Sonderkommando bei den Gaskammern und in den Krematorien des Vernichtungslagers zu arbeiten. Er war einer von denen, die täglich Notizen für die Welt gemacht hat, und 1944 diese auf dem Territorium des Lagers vergraben hat. Erst 1980 wurden die Texte in einem miserablen Zustand gefunden. Doch mithilfe neuer Technologien konnte man die Dokumente 2010 entschlüsseln. Ein unglaubliches Zeugnis der Gräueltaten wurde dem breiten Publikum zugänglich.

Erstmals versammelt dieser Band alle erhaltenen neun Zeugnisse in deutscher Übersetzung und bettet sie mit ausführlichen Essays in den Entstehungszusammenhang ein. Es sind die zentralen Dokumente des Mordes an den Juden - und Schriftstücke zutiefst bewegender Humanität.

Es ist ein zutiefst erschütterndes Bericht, das man nicht ohne Tränen lesen kann. Dennoch denke ich, dieses Buch sollte zu Pflichtlektüre gehören, denn die Beschreibungen des Verbrechens sind so unmenschlich grausam, dass man es kaum glauben kann, dass dieser Völkermord stattgefunden hat. Die Berichte gehen unter die Haut.

Der einzige Kritikpunkt meinerseits wäre, dass dieses Hörbuch nur 1,5 Stunden Spielzeit hat, der Roman aber über 500 Seiten. Daher gehe ich schwer davon aus, dass dieses Hörbuch nur ausgewählte Werke enthält. Allerdings finde ich keine Informationen darüber, dass dieses Hörspiel gekürzt ist. Für mich ist es klar, dass ich das Buch ebenfalls noch einmal lesen werde, denn das bin ich den Opfern schuldig. Andererseits denke ich, dass diese Spieldauer von dem Hörbuch für viele Leser ausreichend sein dürfte, denn das Gelesene ist tatsächlich nicht leicht zu verarbeiten.

"Briefe aus der Hölle" ist ein Hörspiel mit der Spieldauer von 1 Stunde und 37 Minuten, mit zahlreichen bekannten Sprechern wie Wolfram Koch, Robert Gallinowski und Martin Engler eindrucksvoll vertont. Das Hörspiel wirkt sicherlich anders als ein gelesenes Buch, denn durch die akustischen Signale: in dem Fall tragische, bedrohliche Musik, Geräusche, die Unruhe mit sich bringen, wird der Zuhörer in eine düstere, unheilvolle Stimmung versetzt, die sicherlich dem Inhalt des Hörbuch entsprechend ist. Es wirkt sehr authentisch und ausdrucksstark. Dabei wird es darauf geachtet, dass das Gesagte nicht pietätlos wirkt oder reißerisch, der Zuhörer empfindet Respekt und tiefes Bedauern, dass diese Volksmord zu der Geschichte der Menschheit gehört.

Von mir gibt es volle Punktzahl :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: :bewertung1von5: und eine Empfehlung für ein breites Publikum.