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Slater, K.L. - Der Fehler

  Ein Thriller, der von vorne rein das Gefühl des drohenden Unheils vermittelt. Die Hauptprotagonistin des Romans, Rose, leidet an ihrem Verlust und Schuldgefühlen. Als ihr Bruder 8 Jahre alt war, ist er verschwunden. Einige Tage später wurde der Junge tot aufgefunden. Schuld an dieser Tragödie gibt Rose sich selbst. Rose wirkt auf den Leser etwas naiv und zu gutgläubig für diese Welt. Von dem Trauma in der Vergangenheit kann sie sich nicht erholen, es gibt in ihrem Leben kaum jemanden, dem sie vertraut... 

Mit vielen Wendungen wird die Geschichte von Rose erzählt. Was mich aber mehr beeindruckt hat, war dieses Gefühl, den die Autorin vermittelt... Düster und immer in Erwartung, dass gleich was Schlimmes passiert. Auch wenn die Story insgesamt eher ruhig erzählt wird, ist die fesselnd. Ich kenne die Autorin aus dem Roman "Die Witwe", den ich ebenfalls gerne gelesen habe. Ich schätze die spannende Unterhaltung, die K.L. Slater liefert.

 Jean, Emiko - Mika im echten Leben


Über die Autorin:

Emiko Jean ist eine vom unabhängigen Buchhandel in den USA als Indie Next Pick ausgezeichnete Jugendbuchautorin. Sie lebt in Washington State mit ihrem Mann und ihren Kindern (liebreizende Zwillinge). Und, ja, sie liebt den Regen dort. Im Juni 2023 erschien ihr Buch "Mika im echten Leben".

Kurzbeschreibung:

Mika Suzukis Leben ist eine ziemliche Katastrophe: Ihre letzte Beziehung ist implodiert, für ihre Eltern ist sie eine konstante Enttäuschung und vor Kurzem wurde sie auch noch gefeuert. Doch ein Anruf ändert plötzlich alles: Ihre 16-jährige Tochter Penny, die sie als junges Mädchen zur Adoption freigeben musste, meldet sich überraschend und möchte ihre leibliche Mutter kennenlernen. Doch Mikas Leben ist alles andere als präsentabel und so erfindet sie spontan einige neue Aspekte hinzu, malt ihren Alltag in den schillerndsten Farben, erfindet einen gutaussehenden Freund, eine stylische Wohnung. Doch als Penny ihren Besuch ankündigt, gerät Mika in Panik. Wo soll sie das wundervolle Leben, von dem sie erzählt hat, nur herbekommen …

Meine Gedanken zu dem Roman:

Dieses Buch wollte ich unbedingt als Hörbuch hören, da ich die Erfahrung gemacht habe, dass humorvolle, komische Geschichten bei mir als Hörbücher besser ankommen. Ich hatte recht. Dieses Hörbuch, vorgetragen von Vanida Karun von Argon Verlag, ist absolut gut gelungen und hat mich voll und ganz überzeugt.

Doch der Reihe nach. Mika Suzukis ist eine junge Frau, japanischer Abstammung, die von einer herrischen und überkritischen Mutter erzogen worden ist und als eine unsichere Person in das Erwachsenenleben entlassen wurde. Sie träumt von einem Studium und Beruf als Malerin, hat dafür auch das nötige Talent, doch das Schicksal spielt ihr übel mit. Mika wird ungewollt schwanger, hat keinerlei Unterstützung und es scheint, dass es nur ein einziger Ausweg für ihre Situation gibt: Sie muss das Kind zu Adoption freigeben. Ab da läuft Mikas ganzes Leben schief. Eines Tages meldet sich das adoptiertes Mädchen bei Mika und möchte ihre leibliche Mutter kennenlernen. Auch wenn Mikas Herz vom Glück höher schlägt, so fürchtet sie ihrer Tochter ihr wahres Leben zu präsentieren, und erschafft eine Lügengeschichte, um Penny zu beeindrucken. Ob das gut geht?

Die Geschichte, die zunächst sich oberflächlich und nicht allzu tiefsinnig anhört, entwickelt sich zu einer ans Herz gehenden Story, die zum Nachdenken anregt. Die Situation in der Mika steckt, könnte jeder jungen Frau passieren, und ich schätze mal, die lässt auch keinen Leser, insbesondere denke ich da an die Frauen, kalt. Traurig und teilweise tragisch verläuft das Leben von Mika. Wie viel vergeudete Potenzial, wie viele unglückliche Erinnerungen, wie viele verpasste Glücksmomente... 

Doch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit hat auch was Gutes, die führt zu den neuen Erkenntnissen und neuem Selbstwertgefühl. Die Geschichte von Mika hat mir sehr gut gefallen. Realitätsnah, auch wenn stellenweise überzogen, was dem Genre geschuldet ist, und in die Geschichte sehr gut passt, plastisch und glaubwürdig wird die Geschichte von Mutter und Kind erzählt. Abwechslungsreich, kurzweilig und sehr lebendig. Schwierige Themen in eine lockere Darstellung verpackt.

Eine schöne Sommer-Lektüre, die ich als Hörbuch empfehlen würde. Die Sprecherin Vanida Karun hat mir besonders gut gefallen: eine lebhafte, emotionale, klare Stimme, die wohl klingt. Das Hörbuch dauert 12 Stunden 32 Minuten, wobei keine Minute langweilig ist.

Versuch einer neutralen Bewertung: Für das Genre: „Humorvolle Literatur“ ist das Hörbuch sehr gut gelungen, sowohl von dem Inhalt her, als auch von der Darbietung. Wichtige Themen in einer leichten Form angesprochen. 5 Sterne.

Mein persönliches, subjektives Urteil: 4,5 Sterne, viel Vergnügen und eine Empfehlung.


Cherie Jones - Wie die einarmige Schwester das Haus fegt


Über die Autorin:

Cherie Jones ist Anwältin und lebt auf Barbados. 1999 gewann sie den Commonwealth Short Story Prize. Anschließend studierte sie 2015 Kreatives Schreiben in Sheffield Hallam, wo sie sowohl den Archie Markham Award als auch den A.M. Heath Prize gewann. Im Jahr 2015 erhielt sie außerdem ein Vollstipendium des Vermont Studio Centre. »Wie die einarmige Schwester das Haus fegt« ist ihr erster Roman.

Kurzbeschreibung:

Baxter’s Beach, Barbados: ein perfektes Paradies, solange niemand an der Oberfläche kratzt. Cherie Jones erzählt in eindringlicher, lyrischer Sprache davon, wie Liebe und Verbrechen die Leben ihrer Figuren über alle Klassenschranken und Hautfarben hinweg auf dramatische Weise verändern.

Meine Gedanken zu dem Roman:

Die Geschichte beginnt mit der Kindheit der Hauptprotagonistin Lola. Wichtig an dieser Stelle ist die Legende, die ihre Großmutter ihr auf den Weg gibt. In der Legende geht es um ein nicht folgsames Kind, wie auch Lola es ist, das trotz den Verboten sich in einen Tunnel begibt, wo ihr angeblich von einem Monster der Arm abgerissen wird. Doch die Geschichte schreckt, trotz Erwarten der Großmutter, das kleine Mädchen nicht ab, sondern spornt sie zu noch mehr Unsinn. Lola mag das Abenteuer, sie will alles selbst ausprobieren und begibt sich gern in die gefährlichen Situationen hinein. Da hat die Erziehungsmethode der Oma nicht funktioniert. Anschließend begleitet der Leser die Hauptprotagonistin durch ihre jungen Jahre: Kennenlernen von Adan, Zusammenleben mit ihrem Mann, Schwangerschaft, Geburt, Baby und auf der anderen Seite ein gewalttätiger Mann, ein Krimineller, viel Leid und Tod.

Die Grundstimmung des Romans ist extrem düster und deprimierend. Was an sich überhaupt nichts Negatives ist, doch die Hoffnungslosigkeit war in dem Roman sehr präsent. Sogar für mich, dabei kann ich einiges vertragen. In diesem Roman herrscht Armut, Ausweglosigkeit, endlose Gewalt, sowohl psychische als auch physische und auch Tod. Gewalt ist das Thema dieses Romans. In dem Ort, wo Lola lebt, scheint das Leben nur für die Touristen schön zu sein. Sie und ihre Vorfahren kommen alle aus einer Gesellschaft, die in der Gewalt gefangen ist. Die Frauen der Geschichte sind hilflos dem Leben ausgeliefert: prügelnde Ehemänner und vergewaltigende Väter sind an der Tagesordnung. Ohne Scheu schildert die Autorin das Leben in Armut, Gewalt und Drama.

Die Sprache der Autorin ist nüchtern. Zu nüchtern für meine Begriffe. Denn mich hat der Roman trotz der Thematik und schonungslosen Darstellung nicht berührt. Was ich sehr schade finde. Von der Handlung her wäre der Roman absolut in meinem Beuteschema. Doch die sprachliche und erzählerische Umsetzung hat meinem Geschmack nicht entsprochen. Irgendwo habe ich gelesen, dass die Autorin selbst mit dem Thema Gewalt in ihrem Leben konfrontiert wurde. Ich erlaube mir zu vermuten, ihr Erzählstil ruht auf diesen Erfahrungen, denn Menschen, die dramatische Erfahrungen erlebt und überlebt haben, berichten oft mit einem gewissen Abstand. Ein beeindruckendes Buch, das mich leider nicht erreicht hat.

 

 Stephan Ludwig - Zorn: Ausgelöscht

 

Über den Autor: / Verlag

Stephan Ludwig arbeitete als Theatertechniker, Musiker und Rundfunkproduzent. Er hat drei Töchter, einen Sohn und keine Katze. Zum Schreiben kam er durch eine zufällige Verkettung ungeplanter Umstände. Er lebt und raucht in Halle.

Kurzbeschreibung: /Verlag

Jakob Fender kommt zu sich und kann sich an nichts erinnern. Nicht mal an seinen eigenen Namen. Jemand hat ihn mit einem Baseballschläger fast zu Tode geprügelt – versuchter Mord. Zur Tat gibt es kaum Anhaltspunkte, nur dass der Täter noch eine weitere Waffe verwendet hat, die Fender beinahe die Finger der rechten Hand abgetrennt hätte. Ohne Zeugen bleibt den Hauptkommissaren Zorn und Schröder allein die Hoffnung, dass Fenders Erinnerung an die Tatnacht irgendwann zurückkehrt.

Kurz darauf fordert ein weiterer Fall die volle Aufmerksamkeit der beiden Kommissare: Von einer Brücke hängt ein Toter, auch hier liegt eindeutig ein Gewaltverbrechen vor. Mit einer ungewöhnlichen Tatwaffe.

Schröder zieht sofort den richtigen Schluss: Jakob Fender sollte mit der gleichen Waffe getötet werden. Doch wo ist der Zusammenhang? Kannten sich Fender und der Tote? Und wird es weitere Morde geben?

Meine Meinung:

Dies ist der 12. Teil der Zorn Reihe. Man könnte meinen, dass es nach und nach dem Autor möglicherweise die Ideen ausgehen, doch weit gefehlt! Auch diesmal liegt dem Roman zugrunde, ein ausgefallener, fesselnder Fall. Hier gibt es Amnesie, Koma, versuchter Mord, ein Serienmörder und eine komplexe Geschichte, die sich nach und nach logisch zusammenfügt. Um nicht zu spoilern, nenne ich hier die größten Überraschungsmomente ganz sicher nicht, doch ich kann euch versichern, die gibt es reichlich. Solche Wendungen kann sich nur ein Autor mit viel Fantasie ausdenken. Sehr gelungen.

Die Charaktere dieser Geschichte braucht man inzwischen nicht näher darstellen, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass es noch Thrillerleser gibt, die die Zorn Reihe nicht kennen. Für mich ist es aber das Besondere an dieser Reihe: Ich lese die inzwischen nur, um ein Wiedersehen mit Schröder und Zorn zu feiern. Die Fälle, wie gesagt, sind immer sehr gut gelungen, doch für mich liegt das Wunderbare in der Beschreibungen der Charaktere. Es ist wie nach Hause kommen: Die Dialoge und das Geplänkel zwischen Zorn und Schröder bereiten mir so viel Spaß, dass man das Buch gar nicht aus der Hand legen möchte. In diesem Teil der Reihe hat mir besonders gut gefallen, dass Stephan Ludwig sich viel Zeit für den kleinen Edgar nimmt, der Junge wird langsamer schlauer als sein Vater... Auch Frida ist in die Geschichte involviert und spielt eine große Rolle. In ersten Hälfte des Romans geht es überwiegend um das Zwischenmenschliche. Die zweite Hälfte wird dann von dem Kriminalfall beherrscht.

Vermutlich ist der Humor des Autors nicht jedermanns Geschmack, denn das ist so eine Sache mit dem Humor... Für mich ist es allerdings super. Ich lächle schon, wenn ich das Buch bloß in die Hände nehme. „Ausgelöscht“ hat mich hervorragend unterhalten und sehr entspannt. Wenn ich ein Buch versuche langsamer zu lesen, ist es ein sehr gutes Zeichen. Heißt, dass ich länger was davon haben möchte. Diese Reihe ist sehr zu empfehlen, allerdings unbedingt der Reihe nach lesen. Sonst bleiben so viele Feinheiten der Entwicklung auf der Strecke. Ich drücke dem Autor ganz fest die Daumen, dass ihm die Ideen nicht ausgehen, und seine Fans auch weiterhin in Genuss seiner tollen Romane kommen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne.