Moshfegh, Ottessa - Lapvona
Über die Autorin:
Ottessa Moshfegh wurde in
Boston geboren und ist kroatisch-persischer Abstammung. Für ihre Romane
wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem PEN/Hemingway Award.
Zuletzt erschien von ihr der Roman Der Tod in ihren Händen (2021).
Ottessa Moshfegh lebt im Süden Kaliforniens. Lapvona ist ihr zweiter
Roman bei Hanser Berlin.
Kurzbeschreibung:
Es
riecht nach Kot und Verwesung, nach Blut, Vieh und Schlamm – das ist
Lapvona, der gottverlassene Ort der Romanwelt. Hier ist niemand vom
Glück begünstigt, am wenigsten Marek, der missgestaltete Sohn des
Schafhirten. Doch sein Elend birgt auch eine große Kraft: baldige Nähe
zu Gott durch Entsagung und Erniedrigung. Als er von Villiam, dem irren
Landvogt, aufs Schloss berufen und als neuer Fürstensohn eingeführt
wird, glaubt Marek sich zu Höherem erkoren. Denn noch ahnt er nicht, wie
grausam nicht nur die Not, sondern auch die Sättigung den Menschen
macht. In ihrem neuesten Meisterwerk entwirft Ottessa Moshfegh ein
höllisches Panoptikum menschlicher Monstrosität und trifft in der
grotesken Darstellung von Ungleichheit, Korruption und Tyrannei den Nerv
unserer Zeit erschreckend genau.
Meine Gedanken zu dem Roman:
Mit
dieser Rezension würde ich sehr gern viele Leser erreichen. Denn der
Roman von Ottessa Moshfegh ist ohne Wenn und Aber ein besonderes
literarisches Werk, das mich positiv überrascht hat. Es fing alles an
mit dem Cover. Mir ist das Bild aufgefallen, es wirkte so befremdlich,
verstörend, dass ich die Kurzbeschreibung gelesen habe. Da wusste ich,
dieses Werk möchte ich kennenlernen. Es war eine absolut richtige
Entscheidung.
"Lapvona" ist eine surreale, verstörende
und sonderbare Groteske. Wunderbar erzählt, wobei die Wörter wie
wunderbar, genussvoll, voller Freude auf keinen Fall zu dem Roman
passen. Die Kurzbeschreibung gibt schon sehr treffend den Inhalt des
Romans.
Eine intensive, extrem starke, ausdrucksvolle Geschichte voller Gewalt, Blut, Dreck und Perversionen.
In
dem Roman geht es um ein Dorf im Mittelalter Lapvona. Die Bevölkerung
des Ortes ist extrem arm, es sind Menschen, die hart arbeiten und von
dem Fürst des Dorfes ausgebeutet werden. Zu alledem kommt es zu einer
Dürre in dem Roman, die große Hungersnot beherrscht den Ort. All die
Grausamkeiten, die Menschen durch die schlimmsten Zeiten begleiten,
werden dem Leser schonungslos und ohne Scham präsentiert. Ich habe eine
Rezension gelesen, wo es gefragt worden ist, wieso die Autorin diesen
Weg gewählt hat. Die Antwort darauf war simpel: Weil Sie es kann. Und
dies muss ich bestätigen. Der Roman ist von gewaltiger bildlicher Kraft,
Ottessa Moshfegh kann hervorragend mit der Sprache umgehen. Auf den
ersten Blick in einfachen Wörter erzählt, entwickelt die Geschichte eine
ungeheuerliche Kraft und ein Sog, dem der Leser sich nicht entziehen
kann. Man starrt auf das Gelesene, mit der Hoffnung dies entweder sofort
zu vergessen oder irgendwie zu verarbeiten. Die Autorin schreckt von
keinen grauenvollen Momenten ab. Alles wird dem Leser offen präsentiert
und man muss zusehen, was man mit der Information macht. Ich glaube
gern, dass die Arbeit der Autorin schon mehrfach ausgezeichnet wurden,
dieser Roman hätte einen literarischen Preis verdient.
Der
Roman erzählt von einsamen, kaputten Seelen. Da gibt es keinen Funken
Hoffnung, Lichtblick oder Freude. Die Menschen, die in dieser Geschichte
auftreten, sind psychisch und auch physisch zerstört oder sonderbar und
ungewöhnlich. Und doch ist das Werk faszinierend in all der Grausamkeit
und Schwärze des Lebens. Niederträchtig, sündig, schuldig und grausam
sind die Figuren von Frau Moshfegh in dieser grotesken, schamlosen Welt.
Der Leser ist gebannt in Erwartung dessen, was noch kommt. Bei all dem
Elend, das dem Leser begegnet, ist die Geschichte doch sehr fesselnd, da
die Autorin immer wieder unerwarteten Wendungen einbaut.
Der
Roman hat Elemente von magischem Realismus und sonst kann man das Genre
eigentlich nicht wirklich bestimmen, es ist ein grausamer und
gleichzeitig hervorragend erzählter Roman aus dem Mittelalter.
New
Yorker schrieb, dass die Ottessa Moshfegh eine interessanteste
zeitgenössische Schriftstellerin der USA ist. Und ich finde, dass es
vollkommen stimmt. Von mir bekommt der Roman eine volle Sternzahl und
eine unbedingte Leseempfehlung, falls man literarisch interessantes Werk
kennenlernen möchte.