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 Grünberg, Arnon - Gstaad

Der Roman "Gstaad" von dem niederländigschen Autor Arnon Grünberg ist bereits 2002 erschienen, doch erst jetzt wagte der Aufbau Verlag die Übersetzung ins Deutsche. Meiner Meinung nach eine sehr gute Entscheidung. 

Der Roman "Gstaad" ist auf keinen Fall ein Wohlfühlbuch, doch eine extrem intensive Leseerfahrung. An alle Leser, die sich von einer anspruchsvollen Lektüre nicht abschrecken lassen, würde ich das Buch empfehlen. 

Die Geschichte wird in den Medien häufig als ein Schelmenroman beschrieben, doch dies klingt in meinen Ohren zu harmlos für diese Ansammlung von Sünden und Untaten. Der Hauptprotagonist der Geschichte ist ein völlig gestörter Mensch, der sich im Erwachsenenalter als Hochstapler durch das Leben mogelt. Doch die Geschichte von François Lepeltier beginnt viel früher, und zwar mit seiner Geburt. Seine Kindheit hinterlässt beim Leser tiefe Spuren, ich muss zugeben, dass mein Geist sich zwischen Erschütterung und Ekel bewegt hat. Die Erziehung, oder besser gesagt, das fehlen eine Erziehung und die Erfahrungen in der Kindheit, wo der Autor auch von sexuellen Übergriffen nicht zurück schreckt, machten aus dem Protagonisten den Menschen, der er später war. Eine durch und durch nachvollziehbare Entwicklung. Ich muss zugeben, dass ich dem Hauptcharakter gegenüber, wie auch seiner Mutter, Mitgefühl empfand, denn in deren Welt ist die Vorstellung von Familie, Zuneigung, Liebe nur in einer pervertierten Form vorhanden. Das Lesen dieses Werks gestalltete sich nicht einfach, aus einem ganz einfachen Grund. Häufig wurde ich von Gefühlen übermahnt, zu morbid, zu eklig war für mich diese Geschichte. 

Doch in der erzählerischen Stärke unschlagbar. Man solle sich als Leser auf eine Lektüre einstellen, die einen gefühlsmässig fordert. Es ist ein radikales Buch, von dem ich sagen würde, es ist reine Provakation. Absolut lesenswert, doch man solle sich bereit machen für die dunklen, unschönen Seiten des Lebens.


 Moshfegh, Ottessa - Lapvona


Über die Autorin:

Ottessa Moshfegh wurde in Boston geboren und ist kroatisch-persischer Abstammung. Für ihre Romane wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem PEN/Hemingway Award. Zuletzt erschien von ihr der Roman Der Tod in ihren Händen (2021). Ottessa Moshfegh lebt im Süden Kaliforniens. Lapvona ist ihr zweiter Roman bei Hanser Berlin.

Kurzbeschreibung:

Es riecht nach Kot und Verwesung, nach Blut, Vieh und Schlamm – das ist Lapvona, der gottverlassene Ort der Romanwelt. Hier ist niemand vom Glück begünstigt, am wenigsten Marek, der missgestaltete Sohn des Schafhirten. Doch sein Elend birgt auch eine große Kraft: baldige Nähe zu Gott durch Entsagung und Erniedrigung. Als er von Villiam, dem irren Landvogt, aufs Schloss berufen und als neuer Fürstensohn eingeführt wird, glaubt Marek sich zu Höherem erkoren. Denn noch ahnt er nicht, wie grausam nicht nur die Not, sondern auch die Sättigung den Menschen macht. In ihrem neuesten Meisterwerk entwirft Ottessa Moshfegh ein höllisches Panoptikum menschlicher Monstrosität und trifft in der grotesken Darstellung von Ungleichheit, Korruption und Tyrannei den Nerv unserer Zeit erschreckend genau.

Meine Gedanken zu dem Roman:

Mit dieser Rezension würde ich sehr gern viele Leser erreichen. Denn der Roman von Ottessa Moshfegh ist ohne Wenn und Aber ein besonderes literarisches Werk, das mich positiv überrascht hat. Es fing alles an mit dem Cover. Mir ist das Bild aufgefallen, es wirkte so befremdlich, verstörend, dass ich die Kurzbeschreibung gelesen habe. Da wusste ich, dieses Werk möchte ich kennenlernen. Es war eine absolut richtige Entscheidung.

"Lapvona" ist eine surreale, verstörende und sonderbare Groteske. Wunderbar erzählt, wobei die Wörter wie wunderbar, genussvoll, voller Freude auf keinen Fall zu dem Roman passen. Die Kurzbeschreibung gibt schon sehr treffend den Inhalt des Romans.

Eine intensive, extrem starke, ausdrucksvolle Geschichte voller Gewalt, Blut, Dreck und Perversionen.

In dem Roman geht es um ein Dorf im Mittelalter Lapvona. Die Bevölkerung des Ortes ist extrem arm, es sind Menschen, die hart arbeiten und von dem Fürst des Dorfes ausgebeutet werden. Zu alledem kommt es zu einer Dürre in dem Roman, die große Hungersnot beherrscht den Ort. All die Grausamkeiten, die Menschen durch die schlimmsten Zeiten begleiten, werden dem Leser schonungslos und ohne Scham präsentiert. Ich habe eine Rezension gelesen, wo es gefragt worden ist, wieso die Autorin diesen Weg gewählt hat. Die Antwort darauf war simpel: Weil Sie es kann. Und dies muss ich bestätigen. Der Roman ist von gewaltiger bildlicher Kraft, Ottessa Moshfegh kann hervorragend mit der Sprache umgehen. Auf den ersten Blick in einfachen Wörter erzählt, entwickelt die Geschichte eine ungeheuerliche Kraft und ein Sog, dem der Leser sich nicht entziehen kann. Man starrt auf das Gelesene, mit der Hoffnung dies entweder sofort zu vergessen oder irgendwie zu verarbeiten. Die Autorin schreckt von keinen grauenvollen Momenten ab. Alles wird dem Leser offen präsentiert und man muss zusehen, was man mit der Information macht. Ich glaube gern, dass die Arbeit der Autorin schon mehrfach ausgezeichnet wurden, dieser Roman hätte einen literarischen Preis verdient.

Der Roman erzählt von einsamen, kaputten Seelen. Da gibt es keinen Funken Hoffnung, Lichtblick oder Freude. Die Menschen, die in dieser Geschichte auftreten, sind psychisch und auch physisch zerstört oder sonderbar und ungewöhnlich. Und doch ist das Werk faszinierend in all der Grausamkeit und Schwärze des Lebens. Niederträchtig, sündig, schuldig und grausam sind die Figuren von Frau Moshfegh in dieser grotesken, schamlosen Welt. Der Leser ist gebannt in Erwartung dessen, was noch kommt. Bei all dem Elend, das dem Leser begegnet, ist die Geschichte doch sehr fesselnd, da die Autorin immer wieder unerwarteten Wendungen einbaut.

Der Roman hat Elemente von magischem Realismus und sonst kann man das Genre eigentlich nicht wirklich bestimmen, es ist ein grausamer und gleichzeitig hervorragend erzählter Roman aus dem Mittelalter.

New Yorker schrieb, dass die Ottessa Moshfegh eine interessanteste zeitgenössische Schriftstellerin der USA ist. Und ich finde, dass es vollkommen stimmt. Von mir bekommt der Roman eine volle Sternzahl und eine unbedingte Leseempfehlung, falls man literarisch interessantes Werk kennenlernen möchte.