Deaver, Jeffery - Der talentierte Mörder

Der talentierte Mörder ist ein typischer, zugleich aber ungewöhnlich nachdenklicher Lincoln-Rhyme-Roman von Jeffery Deaver, der weniger auf einen spektakulären Serienkiller setzt als auf ein beklemmend realistisches Szenario. Ausgangspunkt sind Todesfälle, die zunächst wie tragische Unfälle mit Alltagsgeräten wirken. Gerade diese Nähe zum eigenen Alltag erzeugt eine unterschwellige Spannung, die den Roman lange trägt und ihn von klassischeren Thrillern abhebt.

Positiv fällt besonders Deavers Stärke in der Konstruktion komplexer Ermittlungen auf. Die forensischen Details sind präzise, nachvollziehbar und wirken gut recherchiert, ohne völlig ins Technische abzudriften. Lincoln Rhyme bleibt eine faszinierende Figur, weil seine analytische Schärfe erneut im Kontrast zu seiner körperlichen Einschränkung steht, während Amelia Sachs als aktive Ermittlerin glaubwürdig und kompetent agiert.

Das Motiv des Täters, das sich Schritt für Schritt als Mischung aus persönlicher Kränkung, Schuldzuweisung und ideologischer Selbstrechtfertigung entpuppt, ist ungewöhnlich nüchtern und gerade deshalb überzeugend.

Negativ wirkt sich allerdings aus, dass der Roman im Mittelteil an Tempo verliert. Einige Nebenhandlungen nehmen zu viel Raum ein. Leser, die einen konstanten Spannungsbogen erwarten, könnten diese Passagen als zäh empfinden. Zudem bleibt der Täter trotz seines klar herausgearbeiteten Motivs emotional distanziert.


Insgesamt ist Der talentierte Mörder ein intelligenter, eher kühl erzählter Thriller, der mehr auf Denkprozesse und gesellschaftliche Fragen setzt als auf Action. Seine größte Stärke liegt in der plausiblen Verknüpfung von Technik, Verantwortung und Schuld, seine Schwäche in einem stellenweise ausufernden Erzähltempo. Für Fans der Reihe und Leser, die realistische, analytische Spannung schätzen, ist der Roman dennoch eine klare Empfehlung.

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