King, Stephen - Der Fluch

  Der Roman Der Fluch von Stephen King erzählt eine düstere und beklemmende Geschichte, in der Horror eng mit moralischen Fragen verbunden ist. Im Mittelpunkt steht der wohlhabende Anwalt Billy Halleck, der ein scheinbar perfektes Leben führt und sich aufgrund seiner gesellschaftlichen Stellung sicher fühlt. Als er eines Abends eine alte Frau überfährt, wird er durch manipulierte Gerichtsverfahren freigesprochen. Dieser Freispruch vermittelt ihm zunächst das Gefühl, unantastbar zu sein. Kurz darauf wird Billy jedoch von einem Roma verflucht, woraufhin er beginnt, auf unerklärliche Weise immer mehr an Gewicht zu verlieren. Was anfangs wie eine positive Veränderung wirkt, entwickelt sich rasch zu einer lebensbedrohlichen Situation.

Im weiteren Verlauf steigert sich die Spannung kontinuierlich. Billys körperlicher Verfall wird eindringlich beschrieben und erzeugt eine bedrückende Atmosphäre, die den Leser tief in die Geschichte hineinzieht. Stephen Kings Schreibstil ist dabei klar und anschaulich, auch wenn einige Nebenfiguren eher oberflächlich bleiben und wenig Tiefe erhalten. Besonders Billy selbst ist jedoch glaubwürdig dargestellt. Seine Selbstgerechtigkeit, sein Egoismus und seine anfängliche Weigerung, Verantwortung zu übernehmen, machen ihn zu einer unsympathischen, aber realistischen Hauptfigur, deren innerer Verfall eng mit dem äußeren verbunden ist.

Als Billy erkennt, dass auch andere am Gerichtsprozess Beteiligte unter ähnlichen Flüchen leiden, wird deutlich, dass es sich um eine gezielte Form der Rache handelt. Diese Entwicklung verleiht der Handlung zusätzliche Spannung und unterstreicht das zentrale Thema des Romans: Schuld lässt sich nicht verdrängen.

Das Ende des Romans ist konsequent und sehr düster. Es macht klar, dass es für Billy keine einfache Erlösung gibt und dass Schuld ihren Preis fordert. Gleichzeitig wirkt der Schluss hart und lässt kaum Raum für Hoffnung, was den Roman jedoch in seiner Aussage nur verstärkt.

Insgesamt überzeugt Der Fluch durch seine starke Grundidee, den stetigen Spannungsaufbau und die eindringliche Darstellung von Schuld und Verantwortung. Trotz kleiner Schwächen in der Ausarbeitung einzelner Figuren bleibt der Roman eindrucksvoll und zeigt, dass Schuld sich nicht verdrängen lässt.

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