Jensen, Louise - Ihre Schwester 


 

Der Roman erscheint am 8. November 2022

Über die Autorin: /Buchszene.de

Sie ist bekannt für internationale Thriller-Bestseller wie „The Sister“, „The Gift“, „The Surrogate“ und „The Date“. Louise Jensen hat über eine Million englischsprachiger Bücher verkauft und wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt. Louise Jensen lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern, einem verrückten Hund und einer ziemlich frechen Katze in Northamptonshire. Sie liebt es, von Lesern und Autoren zu hören.

Kurzbeschreibung:/Amazon.de

»Ich habe etwas Schreckliches getan, Grace. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen ... «

Grace ist seit dem Tod ihrer besten Freundin Charlie nicht mehr dieselbe. Sie wird immer wieder von Charlies letzten Worten heimgesucht und öffnet auf der Suche nach Antworten eine alte Erinnerungskiste von ihr. Schon bald wird klar, dass es vieles gab, das Grace nicht über ihre beste Freundin wusste.

Da taucht auf einmal Anna auf, eine Frau, die behauptet, Charlies Schwester zu sein. Für Grace wird Anna zu einer neuen Familie, und schon bald hat Anna es sich im Haus von Grace und ihrem Freund Dan gemütlich gemacht...

Meine Meinung:

Der Roman von Louise Jensen fängt recht ruhig und unaufgeregt an. Die Hauptcharaktere werden langsam und gründlich vorgestellt. Das Hauptthema dieses Teils des Romans ist die Kindheit der Hauptcharaktere, ihre Freundschaft, gleichzeitig, die gegenwärtige Beziehung von Grace und Dan und der Tod der besten Freundin Charlie. Der Roman wird in zwei Erzählsträngen dargestellt: Gegenwart und die Vergangenheit, als alles noch gut war. Grace und Charlie sind unzertrennlich, es gehören außer Dan noch zwei anderen Mädchen zu der Clique. Man vermutet als Leser kaum, dass es die Geschichte sich noch zu einem Thriller entwickelt. Es ist zwar traurig, aber doch recht beschaulich, bis die Anna auf die Bühne kommt und behauptet, Charlies Halbschwester zu sein. Das bringt das Leben von Grace völlig durcheinander. Sie ist voller Hoffnung, dass sie durch Anna eine Verbindung zu Charlie hat. Verbringt gerne Zeit mit Anna und erinnert sich an ihre beste Freundin. Doch zu dem Moment fangen seltsame Dinge im Leben von Grace an, und die häufen sich...

Ab da ist der Roman kaum aus der Hand zu legen. Sehr spannend und fesselnd erzählt. So geht ein gelungener Thriller.

Ich muss allerdings gestehen, dass das ruhige Teil mich schon zum Teil beinahe überforderte, denn es dauerte recht lange,

erst nach 15 % des Romans ging es los. In Seiten ausgedrückt ca. 70 Seiten. Für mich war es schon eine Herausforderung dranzubleiben, denn ich bin keine geduldige Leserin. Doch ich war sehr zufrieden, dass ich weiter gelesen habe. Denn die weitere Entwicklung ist unerwartet, volle überraschenden Momente und vor allem gekonnt als Thriller erzählt.

Wichtig ist noch zu sagen, dass es hierbei um einen ausgeprägt psychologischen Thriller, als um einen von Gewalt gezeichneten Thriller, handelt. Also, wer mit blutigen Romanen Schwierigkeiten hat, bekommt hier ein spannendes Psychospiel, wo kein Blut vergossen wird.

Diese Geschichte erreicht den Leser durch die Emotionalität, durch die Sympathie zu der Hauptdarstellerin, die nun wirklich einige Schicksalsschläge zu verarbeiten hat. Dabei hatte ich als Leser das Gefühl, dass dies im Prinzip jedem passieren kann. Nicht jedes Leben läuft glatt ab. Wenn jemand an diesem Roman interessiert ist, würde ich unbedingt empfehlen, die ersten ca. 70 Seiten durchhalten, danach kommt ein raffiniertes Psychospiel, dass fesselnd erzählt worden ist.

Von mir gibt es 4,5 Sterne, da mich der Rest der Geschichte und bei 400 Seiten war es noch einiges zu lesen, sehr gut unterhalten hat.

 Hennig, Jürgen - Wege zur inneren Kraft 

 


Über den Autor: /Amazon

Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig befasst sich an der Justus-Liebig-Universität Gießen mit Persönlichkeitspsychologie und geht der Frage nach Ursachen für individuelle Unterschiede und Möglichkeiten der Persönlichkeitsentwicklung im Kontext der Positiven Psychologie nach. Außeruniversitär ist er als wissenschaftlicher Berater im Personalmanagement (Arbeitsklima, Arbeitszufriedenheit) gefragt.

Kurzbeschreibung: /Amazon

Die Besinnung auf unsere Charakterstärken erdet uns in Zeiten, in denen man das Gefühl hat, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Doch wie kann man den eigenen Charakter besser kennenlernen und festigen? Jürgen Hennig, ein führender Experte auf dem Gebiet der Persönlichkeitspsychologie, lädt in diesem Buch dazu ein, die individuellen Charakterstärken kennenzulernen und aufblühen zu lassen. Anhand von 24 verschiedenen Eigenschaften aus den Bereichen: Weisheit & Wissen, Liebe & Menschlichkeit, Mäßigung, Gerechtigkeit, Spiritualität & Transzendenz und Mut. Ein wegweisender Ratgeber, der dabei hilft, die eigene Persönlichkeit zu entfalten und seine Lebensziele langfristig zu verwirklichen.

Meine Meinung:

Wenn man die Forschungsfelder des Professors Dr. Dr. Jürgen Hennig betrachtet, dann wird es einem deutlicher, um was es sich in diesem Buch handelt. In Zentrum des Interesses des Autors liegt die Erforschung des menschlichen Verhaltens und Befindens, wobei im Vordergrund Kognition, Motivation und Emotionen stehen. Auch psychobiologische Stressforschung ist ein Themenbereich, in dem der Professor tätig ist. Der Verlag werbt für das Buch mit den Vergleichen zu den bekannten, unvergessenen Persönlichkeiten, wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King, auch Mutter Theresa, Nelson Mandela und viele anderen kann man noch in dieser Reihe von furchtlosen, bedeutenden Persönlichkeiten nennen. Was macht sie so besonders?

Alle die genannten und viele andere Vorbilder kennzeichnet ein starker Charakter, ein Charakter der eine Ausstrahlung hat.

Professor Dr. Dr. Hennig ist der Meinung, dass jeder Mensch über gewissen Charakterstärken verfügt, und sie kennenlernen sollte, bewusst wahrnehmen und in sein Leben integrieren.

Dies soll die Zufriedenheit jedes Einzelnen stärken und zum inneren Wachstum verhelfen.

Allerdings muss man am Anfang dieser Reise seinen Charakter besser kennenlernen. Und sich Zeit nehmen, um sein Inneres zu erforschen, und anhand der Übungen manche Charaktereigenschaften zu stärken.

Zunächst unterscheidet der Autor in dem Einführungsteil, was Tugenden, Charakter und Werte sind. Danach geht es um Charakterstärken, die möglich sind. In sechs größeren Abschnitten, und zwar: Gerechtigkeit, Mut, Weisheit, Mäßigung, Humanität und Transzendenz, geht er einzeln auf jedes Kapitel ein und stellt die möglichen untergeordneten Persönlichkeitsstärken in diesem Bereich vor. Ich nehme als Beispiel: Humanität - hier betrachtet der Autor die Freundlichkeit, soziale Intelligenz, Bindungsfähigkeit. Anhand der Ausführungen sollte der Leser sich besser kennenlernen können, und seine Stärken herausfiltern, um seine Psyche und seine Persönlichkeit besser zu verstehen und besser im Leben zu integrieren.

Das Buch ist gut geschrieben, und für Leser, die sich noch nicht mit solchen Themen auseinandergesetzt haben, sehr hilfreich, interessant und ausgesprochen informativ. Für mich persönlich gab es keine neuen Erkenntnisse. Allerdings war es ganz gut, sich wieder auf die Charakterstärken zu besinnen. Von mir gibt es 4 Sterne.

 Lüpke, Jana Maria - Laser Blue 3.0 – Zugriff verweigert

 




Über die Autorin: /Piper Verlag

Jana Maria Lüpke, geboren 1985, schreibt seit frühester Kindheit Geschichten, Kinderbücher und Romane. „Laser Blue“ ist ihr erster Jugendroman. Für Pro7Sat.1 Media schrieb sie die Hörspielreihe „Maxi's Zeitreisen“. Sie hat Psychologie studiert und als Dozentin für kreatives Schreiben an diversen Designschulen in Deutschland gearbeitet.

Kurzbeschreibung:/Piper Verlag

Gleichberechtigung und Wohlstand – durch ein Systemupdate der Regierung Kanadas soll das endlich erreichbar sein, und Toronto wird dank Violetta und ihrem Team zum Zentrum der friedlichen Revolution. Laser Blue genießt währenddessen sein einfaches Leben in der unabhängigen Siedlung Port Hope. Bis er eines Morgens an einem fremden Ort aufwacht, als Gefangener in einer virtuellen Realität. Um sich zu befreien, bleibt ihm nichts anderes übrig, als sich den Herausforderungen der geheimnisvollen neuen Welt stellen. Doch wer hat ihn hier eingesperrt, und wer ist Jessa, die zusammen mit ihm ums Überleben kämpft? Ein letztes Mal muss Laser Blue alles geben, um diejenigen zu retten die er liebt. Selbst, wenn das bedeutet, sich selbst zu verlieren.

Meine Meinung:

Dies ist das 3. und abschließende Band der Reihe: Laser Blue. Die Autorin hat mit dieser Reihe eine ansprechende Dystopie geschaffen, die meiner Meinung nach, gut gelungen ist. Leider habe ich die ersten Bücher der Reihe nicht gelesen und bin rein zufällig beim 3. Band gelandet. Doch in der Gesamtheit kann ich durchaus annehmen, dass auch die ersten Bücher sehr gut gelungen sind. Jedoch würde ich auf jeden Fall den Lesern empfehlen, diese Geschichte der Reihe nach, zu lesen. Mir fehlte stellenweise der Bezug zu den Anfängen der Story, allerdings man konnte auch ohne Vorwissen einsteigen.

In dieser Reihe geht es um die zukünftige Welt, und zwar 2089. Natürlich ist diese Welt vollständig digitalisiert. Die Autorin wirft sehr wichtigen und auch aktuellen Fragen auf, wie weit darf die Digitalisierung gehen, wie weit darf die Überwachung stattfinden, wie ist es in einer gläsernen Gesellschaft zu leben. Alle Menschen werden mehr oder weniger zum Einheitsbrei, es gibt wenige Unterschiede, es gibt wenig eigene Gedanken und Ziele, die Bevölkerung ist mit Medien beschäftigt und zerstreut, sodass es keine Zeit bleibt, um wichtige Fragen zu stellen. Besonders gut fand ich den Bezug zu der Frage: Gewalt, Sex und Verbrechen. Wie viel Gewalt und Sex in den Medien dargestellt werden darf und wie kann man es verhindern, dass die Menschheit gegenüber diesen Themen abstumpft.

Der Roman ist packend geschrieben, sodass ich auch ohne Vorkenntnisse der Reihe, durchaus Interesse an der Handlung fand. Was mir weniger gefallen hat, ist der Gebrauch von dem F... Wort. Ich zuckte praktisch jedes Mal zusammen, wenn ich es auf jeder Seite mindestens einmal las. Die Autorin sagt selbst, dass sie ein Buch für die Jugendlichen erschaffen wollte, und somit hat sie auch versucht, die Sprechart zu übernehmen. Mich hat es gestört, ich hätte auch ohne F... Wort verstanden, in was für einer misslichen Lage der Protagonist ist.

Nun ja, es ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Sonst kann ich die Reihe an die Liebhaber der Dystopien und zukünftigen technisch hoch entwickelten Welten gerne empfehlen. Die Geschichte ist gut geschrieben. Und auch von der Thematik aktuell und bedeutend. Allerdings möchte ich noch mal betonen, liest die Bücher der Reihe nach. Von mir gibt es 4 Sterne.

 André Gebel - Eiskalter Abgrund

 


Über den Autor: / Piper Verlag

Der diplomierte Betriebskaufmann André Gebel studierte Marketing an der Universität zu Köln und war neben seinen beruflichen Stationen in Industrie und Agentur, schon immer an Literatur interessiert. Über acht Jahre lang entwickelte er zuletzt strategische Marketingkonzepte und Kampagnen für die Kunden einer Münchner Digitalagentur. Dabei sind die Sozialen Medien sein Spezialgebiet. Um den Markt der Influencer besser verstehen und analysieren zu können, gründete Gebel im Jahr 2016 mit Turnagain seinen ersten Reiseblog. Heute berät er als selbständiger Experte Konsumgüter-Brands, Hotels und Destinationen, schreibt Reiseberichte, führt einen Podcast und hält Vorträge auf Fachkongressen. André Gebel lebt mit seiner Frau in München.

Kurzbeschreibung:/ Piper Verlag

Ein spannungsgeladener Thriller aus der Influencer-Szene, der am Fuße des berühmten Matterhorns spielt.Fünf Influencer werden von einem anonymen Auftraggeber zu einer Challenge in ein einsames Chalet in den Schweizer Alpen eingeladen. Die Aufgabe klingt verlockend: Sie dürfen das neue Domizil als erste Gäste überhaupt erkunden und sollen darüber auf Instagram berichten. Als Belohnung winken 100.000 Dollar. Doch es gibt zwei Bedingungen: Keiner darf das Chalet vor Ablauf der Challenge freiwillig verlassen und es darf nur positiv berichtet werden. Was zunächst nach einem Traumjob klingt, entwickelt sich zu einem ausgemachten Alptraum, der in einem Blutbad enden wird.

Meine Meinung:

Wenn man sich die biografischen Angaben zu dem Autor durchliest, dann wird es deutlich, wieso er sich gerade für dieses Thema entschieden hat. Es ist absolut aktuell, spannend, und in der modernen Welt nicht mehr wegzudenken. Es geht um Influencer und sozialen Medien. Fünf Influencer, unterschiedlich erfolgreich, bekommen ein lukratives Angebot: Sie sollen drei Wochen in einem abgeschieden gelegenen Chalet in Schweizer Alpen verbringen, dabei täglich posten und schön lächeln. Im Prinzip das Gleiche tun, was die eh schon die ganze Zeit tun. Das Ganze ist als eine Challenge angelegt, doch dabei gibt es keinen Gewinner. Entweder halten alle zusammen durch und jeder bekommt das Preisgeld, oder es gibt keinen Gewinner. Hört sich entspannt an, vor allem, dass das Chalet über solche Annehmlichkeiten wie Sauna und Whirlpool verfügt. Man kann sich an diesem Ort gut gehen lassen, täglich ein neues Bild oder Video posten und am Ende eine Stange Geld kassieren. Alles ist etwas geheimnisvoll und undurchsichtig, doch dies kümmert die fünf Teilnehmer eher weniger. Wie die Challenge letztendlich verläuft, und was während des Aufenthalts alles passiert, macht den Thrill der Geschichte aus.

André Gebel nimmt sich zum Anfang der Geschichte sehr viel Zeit, um die Charaktere ausführlich in ihrem Leben vor der Challenge, vorzustellen. Jeder ist anders, jeder hat seine Besonderheiten, jeder arbeitet als Influencer nach seinem eigenen Stil und hat auch unterschiedliche Anzahl von Follower. Doch in einem ähneln sich die fünf. Die lächeln in die Kamera, gaukeln heile und glückliche Welt vor, und bringen ihre Follower dazu, sie zu beneiden und zu feiern. Die Erfolgreichsten von denen haben in der Tat reichlich Geld, denn die haben ihr Ziel in der sozialen Medien Szene, und zwar auf Instagram, schon erreicht, die anderen arbeiten noch daran.

Schon bei dem Empfang der Einladung zu der Challenge zeigen sich die fünf sehr unterschiedlich, doch daran teilzunehmen und 100.000 Euro zu kassieren möchte von denen jeder.

Der eigentliche Thrill Teil beginnt mit dem Aufenthalt in dem einsam gelegenen Chalet hoch in den Bergen. Es passieren unvorhergesehene Dinge, und spätestens nach einer Woche, hat jeder jeden im Verdacht. Die Geschichte "Eiskalter Abgrund" ist voller unerwarteten Wendungen. Als Leser, wie auch als Charaktere, kann man nicht fest machen, wer ist denn an allem, was bei der Challenge passiert, schuld. Die Geschichte wird fesselnd erzählt und lässt sich flüssig lesen. Besonders gefallen haben mir die Einblicke in die Gedankenwelt der fünf Influencer, und wie sehr sie von ihrer Tätigkeit auf Instagram abhängig sind. Als Leser rätselt man bis ans Ende mit, wer, wie, was... Die Lösung kommt erst kurz vor dem Schluss, und ich verspreche es, die ist unerwartet.

Ein sehr spannender Thriller von einer eher wenig blutigen Art. Zwar weniger Gewalt, doch nicht weniger schockierend. Ich würde den Roman an die Interessierten unbedingt weiterempfehlen.

Von mir bekommt das Buch 4,5 Sterne.

Prange, Peter -  Der Traumpalast

 


Kurzbeschreibung: 

 Großes Kino - Die Roaring Twenties im Spiegel der Ufa-Traumfabrik: der große Zeitgeschichte-Roman nach dem Erfolg von »Eine Familie in Deutschland« von Bestsellerautor Peter Prange. Berlin, Anfang der zwanziger Jahre: Ein neues Lebensgefühl bricht sich Bahn - Freiheit! Es ist die Vision von glanzvollen Stars, spektakulären Großfilmen und glitzernden Kinopalästen, die Tino, Bankier und Lebemann, an der gerade gegründeten Ufa begeistert. Er riskiert alles, um mit der deutschen Traumfabrik Hollywood Paroli zu bieten. Rahel will als Journalistin Wege gehen, die Frauen bisher verschlossen waren. Als die zwei einander begegnen, ahnen sie nicht, welche Wende ihr Leben dadurch nimmt. Denn bald stellt sich ihnen die alles entscheidende Frage: Wie weit darf Freiheit gehen? In der Politik, in der Kunst – und in der Liebe. Bestsellerautor Peter Prange ist der große Erzähler der deutschen Geschichte. Mit seinem Roman über die Ufa-Traumfabrik lässt er das Berlin der zwanziger Jahre in faszinierenden Bildern wieder auferstehen.

 Meine Meinung:

Tino, Bankier und Sohn eines Bankiers, verliebt sich in Rahel, eine junge und aus einfachen Verhältnissen stammende Frau, die unbedingt Journalistin werden möchte. Hartnäckig versucht er ihr Herz zu erobern. Doch sie tut sich da schwer. Sie möchte frei sein und selbstständig, möchte sich nicht binden, auch wenn sie sich zu Tino hingezogen fühlt. Der Bankierssohn bringt geschickt die nötigen Finanziers zusammen, interessiert sich für das Filmgeschäft und verfolgt zielstrebig dieses Projekt. Dazu kommen noch viele politische und gesellschaftliche Momente, die zu der Zeit und der Gezischte passen, und sehr gut recherchiert sind.

So weit, so gut. Doch ich verstehe ganz ehrlich nicht, wie dieses Buch ausschließlich positive und begeisterte Stimmen aufweist.  Der Erzählstil und Charakterdarstellung sind ganz schwach. Peter Prange kann hervorragende, spannende, gut recherchierte Romane schreiben auf hohem Niveau. Dies hier entspricht seiner Art gar nicht. Es liest sich wie ein Roman eines Anfängers, noch simplere Sprache konnte man nicht wählen. Die Kapitel sind sehr kurz, sollte wahrscheinlich dem Spannungsaufbau dienen, hat aber nicht. Die abrupten Enden trugen nicht dazu bei, dass die Geschichte interessanter wurde.

An sich eine nette Geschichte, die leider, sehr gestreckt worden ist. Und es hat mich nicht gefesselt. Ich war enttäuscht. Ich möchte mich aber nicht übermäßig der Kritik hingeben, denn ich habe das Buch zu drei Viertel gelesen, die letzten Seiten nur noch überflogen. Weil diese Erzählart, einfacher geht es nicht, einseitige Charaktere, triviale Handlung und sonderbare Dialoge waren kaum auszuhalten. 

Es freut mich, dass so viele Leser Freude an dem Roman haben. Ich war nur enttäuscht. Die Fortsetzung wird für mich auf gar keinen Fall geben.

Ich weiß auch nicht, wie es bloß passieren konnte, dass ein Autor, den ich liebe und schätze, so schlecht bei mir angekommen ist. Vielleicht gibt es tatsächlich sowas wie der falsche Zeitpunkt oder doch eine schwache Leistung? 

Die Bewertung 1,5 Sterne.

 

Fry, Stephen -  Troja: Von Göttern und Menschen, Liebe und Hass

 


Über den Autor:/Amazon

Stephen Fry ist Schriftsteller, Schauspieler, Moderator, Kolumnist und Regisseur. Sein exzentrischer Charakter erklärt sich durch seine krumme Nase und den halben Zentimeter, den er kleiner ist als Monty-Python-Legende John Cleese. Sein Buch „Mythos“ wurde zum SPIEGEL-Bestseller, der Nachfolger Helden zum Historischen Buch des Jahres 2021 gekürt. "Helden" wurde 2021 von DAMALS. Das Magazin für Geschichte als "Historisches Buch des Jahres" ausgezeichnet. Bei Aufbau und im Aufbau Taschenbuch sind seine Romane "Geschichte machen", "Der Lügner", "Das Nilpferd" und "Der Sterne Tennisbälle", dazu "Paperweight. Literarische Snacks", „Feigen, die fusseln. Entfessle den Dichter in dir“, die Autobiographie „Ich bin so Fry. Meine goldenen Jahre“, „Mythos. Was uns die Götter heute sagen“ und "Helden. Die klassischen Sagen der Antike neu erzählt" lieferbar. Bei Aufbau erschien zuletzt: „Troja. Von Göttern und Menschen, Liebe und Hass“.

Kurzbeschreibung: /Amazon

Es ist die größte Geschichte von Heldentum und Hass, Liebe und Leiden, Rache und Reue, Verlangen und Verzweiflung, die sich die Menschheit je erzählt hat: Der Kampf um das legendäre Troja, das für Götter und Menschen gleichermaßen Segen und Fluch war und zum Schauplatz alter Fehden, sagenhafter Herausforderungen und verwickelter Intrigen wurde. Es sind jene menschlichen Leidenschaften, blutig in den Sand einer fernen Küste geschrieben, die heute noch zu uns sprechen. Der meisterhafte Erzähler Stephen Fry übertrifft sich nach seinen Erfolgen »Mythos« und »Helden« selbst, haucht einmal mehr einem antiken Stoff auf atemberaubend schöne Weise neues Leben ein und holt ihn in unsere Zeit.

Meine Meinung:

Wenn man die Beschäftigungen des Autors betrachtet, kann man sich gut vorstellen, woher seine Art zu erzählen kommt. Das ist das Erste, was ich bei diesem Buch loben möchte: der Erzählstil. Stephen Fry versteht es hervorragend, den Leser in seinen Bann zu ziehen. Seine Sprache ist leicht, locker, humoristisch und sehr unterhaltsam. Er erzählt detailliert und umfassend, ohne dass er je ausschweifend wird. Jedes Wort sitzt. Mir hat es auch ganz toll gefallen, dass Stephen Fry sich während der Erzählung an den Leser wendet. Er beruhigt zum Beispiel, wenn es etwas unübersichtlich wird, noch etwas Geduld zu haben, dann klärt sich die Situation. Ich fand seine Anmerkungen, die an den Leser gerichtet sind, diese Interaktion mit dem Leser sehr hilfreich und die lockerte die etwas angestrengte Stimmung, die Sachbücher manchmal erzeugen können. Ein exzellenter Erzähler, von dem ich noch weitere Bücher mit Sicherheit lesen werde. Man muss aber auch den Übersetzer Matthias Frings erwähnen, der das Übertragen ins Deutsche großartig hinbekommen hat.

Dies ist das 3. Band der Reihe. Man kann alle Bücher einzeln lesen. Man muss nicht über das Wissen aus den vorherigen Bänden verfügen. Dennoch finde ich es schade, dass ich die ersten Bände der Reihe nicht gelesen habe. Das will ich nachholen.

Um was geht es in dem Buch: Es geht um die Sagen der griechischen Mythologie. Ausführlich und sehr spannend. Es geht um die Stadt Troja, ihre Regenten, um den Trojanischen Krieg. Gerade zu Anfang des Buchs kommen sehr viele Charaktere und kurze Geschichte zusammen, um einen Überblick über das Leben in Troja zu verschaffen. Die Geschichte entwickelt sich zu dem Ende zu, zu dem Trojanischen Krieg. Es kommen Maßen an Namen zusammen, doch der Autor hat auch hier eine Hilfestellung für die Leser eingebaut. Die Personen, die für die weiteren Geschehnisse, wichtig sind, werden in Großbuchstaben geschrieben, sodass man gleich die im Gedächtnis behält. Die viele Verweise und Erklärungen werden im Anhang erklärt. Da ich EBook gelesen habe, konnte ich diese Funktion leider nicht nutzen. Hinter diesem Buch steckt enorm viel Recherche. Was ich noch lobend erwähnen möchte, dies ist zwar definitiv ein Sachbuch, doch es liest sich stellenweise wie ein Roman. Das fand ich großartig.

Alles in allem exzellente Unterhaltung. Die Neuerzählung der griechischen Mythologie ist mehr als gut gelungen. Für alle Fans der Mythologie und auch für die, die gerne mehr darüber erfahren möchten, würde ich dieses Buch ohne Wenn und Aber weiter erzählen. Von mir gibt es 4,5 Sterne und eine uneingeschränkte Empfehlung.

 

 Meller, Marc - Das Schlaflabor

 



Vollständiger Titel: 

Das Schlaflabor: Du kannst nicht schlafen. Du suchst Hilfe. Und der Albtraum beginnt.

Erscheinungsdatum: 28.10.22


Über den Autor:/Verlag Lübbe

Marc Meller ist das Pseudonym eines erfolgreichen Autors von Film- und Fernsehdrehbüchern, Kriminalromanen und Thrillern. Eigentlich ist Marc ein guter Schläfer – wenn er nicht gerade an seinem nächsten Buch arbeitet und die Nacht zum Tag werden lässt. Er lebt, schreibt und schläft in Köln.

Kurzbeschreibung:

Tom Sonnborn hat alles versucht, um seine Schlafstörungen loszuwerden - ohne Erfolg. Als er von einem Schlaflabor in den Schweizer Alpen hört, das auf eine neuartige Therapieform setzt, schöpft er neue Hoffnung. Und tatsächlich: Bereits kurz nach seiner Ankunft in der Klinik schläft Tom so gut wie lange nicht mehr. Auch zuhause wird er zum regelrechten Langschläfer. Er ist überglücklich - bis er eines Morgens blutverschmiert aufwacht und die Polizei ihn verdächtigt, einen Mord begangen zu haben. Tom kann sich nicht erinnern und zweifelt plötzlich: Schläft er nachts wirklich? Schlafwandelt er etwa? Noch ahnt er nicht, dass die Wahrheit düsterer ist als jeder Albtraum.

Meine Meinung:

Der Protagonist Tom Sonnborn erweckte bei mir als Leserin volles Mitgefühl. Denn auch ich leide an Insomnie. Ich konnte mir genau vorstellen, wie es dem jungen Mann geht. Tom konnte weder einschlafen noch durchschlafen. Wenn er Glück hatte, dann wurden es 3 Stunden. Dabei ging es ihm zunehmend schlechter. Die sozialen Kontakte haben sich nach und nach zurückgezogen, da Tom nicht mehr ausging, und auch nichts mehr unternahm, aufgrund der Erschöpfung. In der Arbeit gab es Probleme und eine Abmahnung, sozialer Abstieg war vorprogrammiert. Da entdeckt Tom ein, sich großartig anhörendes, Angebot einer Klinik in der Schweiz, die enorme Erfolge in der Behandlung von Schlaflosigkeit erzeugt. Es kostet eine Menge Geld für fünf Tage, doch Tom weiß keinen anderen Ausweg mehr und vereinbart einen Termin. Die ungewöhnliche Behandlung bringt tatsächlich eine Verbesserung, und Tom kann schlafen, tief und fest. Alles ist gut, bis er eines Tages aufwacht, blutverschmiert und mit einer Amnesie.... Er weiß nicht, was passiert ist, und wessen Blut an ihm ist... Die Jagd nach der Wahrheit beginnt. Hat er jemanden umgebracht?

Der Roman von Marc Meller ist eher ein ruhiger Thriller, der ohne Blutvergießen auskommt. Obwohl es auch gemordet wird, nimmt dieses Thema nicht den größten Teil der Geschichte ein. Überwiegend geht es um die Lösung des Rätsels, was mit Tom passiert ist. Was wurde in der Klinik tatsächlich mit ihm gemacht? Wie hängen die Morde miteinander zusammen, aber auch wieso führen alle Spuren zum Hauptcharakter. Dieser Teil der Erzählung ist sehr fesselnd erzählt. Auch das Zwischenmenschliche bleibt nicht auf der Strecke. Als Leser hat man reichlich Emotionen während des Lesens. Ich machte mir Sorgen um Tom, fieberte einer leichten unaufdringlichen Liebesgeschichte entgegen, hoffte, dass es bald die Lösung des Problems gibt.

Der Roman ist flüssig zu lesen. Was ich lobend erwähnen möchte, dass es viele Informationen zum Thema Gehirn und Gehirnforschung mit in die Handlung einfließen. Äußerst interessant. Die Geschichte ist sehr gut rezensiert, und verlangt von dem Leser das Mitdenken. Was ich sehr gerne mag.

Ich würde diesen Roman gerne an die Interessierten weiterempfehlen. Der ist ohne Wenn und Aber sehr gut gelungen.

Von mir gibt es 4.5 Sterne.

 Whitaker, Chris - Von hier bis zum Anfang

 


Über den Autor/ Piper Verlag

Chris Whitaker arbeitete zehn Jahre als Finanztrader, bevor er sein Leben änderte und sich dem Schreiben zuwandte. Seine Romane gewannen zahlreiche Preise, schon jetzt gilt Whitaker in England als Sensation. „Von hier bis zum Anfang“ wurde vom Guardian zum Buch des Jahres gekürt. Whitaker lebt zusammen mit seiner Ehefrau und drei Kindern.

Kurzbeschreibung:

Cape ͏Heaven, ͏Kalіfornіen. ͏Eіne ͏beschaulіche ͏Kleіnstadt ͏vor ͏dem ͏Panorama ͏atemberaubender ͏Küstenfelsen. ͏іn ͏dіesem ͏vermeіntlіchen ͏іdyll ͏muss ͏dіe ͏13-jährіge ͏Duchess ͏nіcht ͏nur ͏іhren ͏kleіnen ͏Bruder ͏fast ͏alleіne ͏großzіehen, ͏sondern ͏sіch ͏auch ͏um ͏іhre ͏depressіve ͏Mutter ͏Star ͏kümmern, ͏dіe ͏dіe ͏Ermordung ͏іhrer ͏Schwester ͏vor ͏30 ͏Jahren ͏nіe ͏verwіnden ͏konnte. ͏Als ͏deren ͏angeblіcher ͏Mörder ͏aus ͏der ͏Haft ͏entlassen ͏wіrd, ͏droht ͏das ͏fragіle ͏Famіlіengefüge, ͏das ͏Duchess ͏mühsam ͏zusammenhält, ͏auseіnanderzubrechen. ͏Denn ͏der ͏Atem ͏der ͏Vergangenheit ͏reicht ͏bіs ͏іn ͏das ͏Heute ͏und ͏wіrd ͏das ͏starke ͏Mädchen ͏nіcht ͏mehr ͏loslassen ͏...

Meine Meinung:

Diesem Roman ist es schwierig in einer Rezension gerecht zu werden. Es ist ein Ausnahmeroman. Sehr gut gelungen, hervorragend erzählt, atmosphärisch, authentisch und lebendig. Ein Kopfkino vom feinsten.

Wer allerdings nicht auf Drama und Tragödie steht, sollte von dem Buch Abstand nehmen. Es geht in der Geschichte um Menschen, die von dem Schicksal nicht gut behandelt werden. Es gibt Leute, bei denen es dauernd etwas Schlimmes passiert. Sobald die sich etwas aufgerappelt haben, kommt die nächste Lebensprüfung, und keiner kann einem wirklich helfen. So ist deren Leben, und es bleib nur ein Ausweg, man muss dadurch.

So die Hauptprotagonistin des Romans. Sie macht alles, um ihre Situation zu verbessern und sich gut um ihren Bruder zu kümmern, doch sie ist noch ein Kind, die Kräfte reichen nicht, und es kommen immer wieder weitere Schicksalsschläge dazwischen. Eine tragische Geschichte, die mich als Leser sehr mitgenommen hat.

Der Roman hat mich gefangen genommen, und ich habe ihn in einem Zug durchgelesen. Die Protagonisten wurden ungeschönt, realistisch und nachvollziehbar dargestellt. Da das Leben unberechenbar sein kann, wurde die Story sehr lebensnah dargestellt und auf eine sehr spannende Art und Weise erzählt. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.

Ein Roman von beeindruckender Dichte. Anfangs braucht man etwas Zeit um sich zurechtzufinden, dauert aber nicht lange, sobald man in der Geschichte drin ist, will man nur noch wissen wie es weiter geht.

Mitreißend und spannend.

In der Presse wurde der Roman sehr gelobt. Und ich schließe mich jeder Bewertung an. Ich war von dem Roman begeistert. Für mich war es ein Highlight. Und wird lange in Erinnerung bleiben. Da kann ich nur die höchste Sternzahl geben. 

Von mir gibt es volle Punkzahl. Fünf Sterne.


 Seligmann, Rafael - Der Milchmann


 

Über den Autor: /Verlag

Rafael Seligmann geboren 1947 in Tel Aviv. Im Alter von zehn Jahren wanderte er mit seinen Eltern nach Deutschland ein. Er ist Autor der ersten deutsch-jüdischen Gegenwartsromane, u.a. „Die jiddische Mamme“, „Der Musterjude“, „Der Milchmann“ und „Die Kohle-Saga“. Außerdem ist er Sachbuchautor („Hitler. Die Deutschen und ihr Führer“) und Freier Journalist, (u.a. „Welt“, „Spiegel“, „Stern“, „FAZ“, „taz“, „Bild“) Kolumnist und Chefredakteur.
Seit 2012 außerdem Gründer und Herausgeber der „Jewish Voice from Germany“, der größten jüdischen Zeitung außerhalb Israels.

Kurzbeschreibung: /Verlag

Jakob Weinberg wohnt in München. Er ist siebzig Jahre alt, hat Auschwitz überlebt und genießt hohes Ansehen bei seinen Freunden. Sie nennen ihn „Milchmann“, weil er damals im Lager eine Kiste mit Trockenmilch fand und zum Retter seiner Mithäftlinge wurde. So die sorgfältig gepflegte Legende. Weinberg kann nicht klagen: Er ist wohlhabend und hat eine junge Geliebte. Ende Oktober 1995 passiert es: Eine Gewebeprobe verheißt Unheil, sieben Tage Ungewissheit. Es geht um sein Erbe. Seine Kinder, die Geliebte und seine Freunde setzen Weinberg unter Druck. Samstag, 4. November, ein neuer Schock: Yitzhak Rabin, den Weinberg verehrt, wird ermordet. Er ist verzweifelt. Ein Jude hat einen anderen erschlagen. Auschwitz kehrt drohend in sein Bewusstsein zurück. Nun versucht der „Milchmann“ Ordnung in sein Leben zu bringen. Als er schließlich die Diagnose erfährt, handelt er entschlossen.

Meine Meinung:

Jakob Weinberg ist ein Jude, der den Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau überlebt hat. Zu welchem Preis weiß nur er allein. Die Geschichte beginnt ohne Einführung gleich mit einem spannenden Moment. Jakob arbeitet an den Schienen, als ein Zug vorbeifährt, und von dem ein Karton herunterfällt. Schnell sieht Jakob nach, was das ist. Und es ist ein großer Schatz, was er darin findet. Im Karton sind Dosen mit trockenem Milch. Die Gefangene sind vom Hunger am Sterben, und Jakob hofft, mit diesem Fund eine Zeitlang überleben zu können. Doch als alle in die Baracken zurückkehren, reicht ihm die Kraft nicht, diesen Karton zu tragen, da müssen andere Mitgefangenen helfen. Als die in der Baracke ankommen, verteilt einer der Mitgefangenen die ganze Milch an all die anderen. Jakob Weinberg kommt mit dieser Tat sehr schlecht zurecht. Er fühlt sich betrogen, denn er hat die Dosen gefunden... Es kommt zu einem Streit und einer Schlägerei, die große Folgen haben wird...

Doch Jakob Weinberg überlebt. Wie? Das erfährt man aus dem Roman.

Und noch viel mehr. Der Leser erfährt, wie die Juden in Deutschland nach dem Krieg gelebt haben, was die fühlten, welche Auswirkungen hatten die Nazis auf ihr Leben, welche Einstellung die zu Deutschen hatten und noch viel mehr.

Auch Jakob Weinberg lebt sein Leben im Schatten der KZ Erfahrungen. Er ist unzufrieden, dabei hat er reichlich Geld, erwachsene Kinder, und inzwischen eine neue Frau, die allerdings nicht Jüdin ist, was ihm zu schaffen macht. Und er hat überlebt und gilt bei allen als Held, der vielen Juden das Leben gerettet hat, indem er die Dosen mit Milch verteilte. Ja, so wird es erzählt....

Der Roman hat mir sehr gut gefallen, aber auch zum Teil sehr nachdenklich gestimmt. Der Autor zeigt nicht gerade behutsam, dass die Juden, auch KZ-Gefangene auch nur Menschen sind: mit all ihren Schwächen, schlechten Charaktereigenschaften und dem Willen zum Leben um jeden Preis. Die Geschichte von Seligmann behandelt einen Zeitraum von einer Woche, die im Leben von Jakob besonders wichtig ist. Die besteht zum großen Teil aus Erinnerungen und Nachdenken über das eigene Leben.

Was für mich völlig neu war in dem Roman "Der Milchmann". Rafael Seligmann entglorifiziert die Häftlinge von Konzentrationslager, indem er ihre menschlichen, charakterlichen Schwächen zeigt. Jakob wird zwar von anderen für einen Helden gehalten, doch der Leser weiß ganz genau, wie und was sich damals zugetragen hat. Das ist ein neuer Blickwinkel auf die Geschichte der Juden während des Zweiten Weltkrieges. Auch ihre Tätigkeit nach dem Krieg hat nichts mit Heldentum zu tun. Rafael Seligmann scheut es nicht, die Juden als Menschen darzustellen, mit allen ihren Fehlern und manchmal auch Stärken.

Der Erzählstil hat mir gut gefallen, die Geschichte wirkt sehr lebendig, und liefert Kopfbilder. Was etwas schwierig für mich war: Es gibt sehr viele jiddische Begriffe in dem Roman. Besonders in Dialogen. Somit sichert der Autor natürlich die Authentizität der Geschichte, doch Lesefluss wird dadurch etwas gestört, da man nicht die genaue Übersetzung der Wörter hat. Man kann als Leser nur sich denken, was gemeint war.

Der Hauptgedanke des Autors sehe ich in dem Versuch für die Leser begreiflich zu machen, dass auch ein KZ-Überlebender nur ein Mensch war. Was stellenweise im Laufe der Geschichte schwer zu verdauen ist. Doch alles in allem hat mir der Roman sehr gut gefallen. Und ich würde ihn uneingeschränkt weiterempfehlen.

Von mir gibt es 4,5 Sterne.

 Hauser, Walter - Anna Göldi – geliebt, verteufelt, enthauptet: Der letzte Hexenprozess und die Entdämonisierung der Frau 

 


Über den Autor: / Amazon

Dr. iur. Walter Hauser, geboren 1957, aufgewachsen im Kanton Glarus. Der Prozessrechtsspezialist ist Ex-Kantonsrichter, Journalist und war Redaktor u. a. bei der «Sonntagszeitung» sowie beim «Sonntagsblick». Er initiierte die Anna-Göldi-Stiftung, die sich gegen Justiz- und Behördenwillkür engagiert und 2017 das Anna Göldi Museum in Glarus eröffnete.

Kurzbeschreibung: /Verlag

Im neuen Anna-Göldi-Buch spielt der Churer Priester und Teufelsaustreiber Johann Joseph Gassner eine einflussreiche Rolle. Die von ihm entfachte Satans-Hysterie befeuerte die letzten europäischen Hexenprozesse: 1775 im süddeutschen Kempten, 1779 im bündnerischen Tinizong und 1782 in Glarus. Zwischen diesen drei Prozessen gibt es deutliche Unterschiede, aber auch interessante Gemeinsamkeiten.

Der Göldi-Hexenprozess wurde zu einem der allerersten großen «Whistleblowing»-Fälle in Europa. Die öffentliche Debatte, welche die Publikation geheimer Prozessdokumente entfachte, hatte eine heilsame Wirkung. Sie ebnete den Weg zu einer vom Dämonenglauben befreiten Strafjustiz und besiegelte das Ende der Hexenverfolgung, die in erster Linie eine Frauenverfolgung war. Was heute fast schon vergessen ist: Während Jahrhunderten wurden Frauen im christlichen Europa kriminalisiert und dämonisiert, als Übeltäterinnen und natürliche Verbündete des Teufels.

Meine Meinung:

Anna Göldi hat mit nur 48 Jahren eine traurige Berühmtheit erlangt. Sie ist die letzte Frau, die in einem Hexenprozess verurteilt und hingerichtet worden ist. Von diesem Prozess und von den sozialen und juristischen Gegebenheiten dieser Zeit erzählt das Buch von Dr. Walter Hauser. Der wie Verlag dazu sagt:

"Als Jurist zeigt Walter Hauser die zeitgeschichtlichen und rechtlichen Zusammenhänge des Anna-Göldi-Prozesses auf. Als Journalist vermittelt er die dramatische und mysteriöse Schicksalsgeschichte der Magd, die 1782 durch das Schwert hingerichtet und 2008 durch das glarnerische Parlament rehabilitiert wurde. Eine Geschichte, die bis heute bewegt, aufrüttelt, polarisiert."

Anna Göldi ist nicht nur als letzte verurteilte und hingerichtete Frau in einem Hexenprozess bedeutend, sondern auch als ein Symbol der Unterdrückung und Missbrauch von Frauen, die als Verantwortliche für alles Unheil herangezogen worden sind, als Verbündete des Teufels in der christlichen Welt stigmatisiert worden sind.

Sogar als der Autor im Jahr 2017 für die Rehabilitierung von Anna Göldi eintrat, wurde der Antrag zunächst abgelehnt. Es wurde als nicht notwendig erachtet, diesen Justizfehler, auch wenn viel zu spät, zu korrigieren. Erst ein Jahr später wurde die Frau öffentlich rehabilitiert.

In dem ersten Teil des Buchs porträtiert der Autor Anna Göldi, ihr Leben und die sozialen Hintergründe. Anna Göldi kam aus den ärmlichen Verhältnissen und arbeitete als Magd. Sie wurde schwanger und bekam ein Kind, wie sich jeder denken kann von dem Dienstherrn. Sie verließ die Stelle, und wurde später angeklagt das Kind vergiftet zu haben, mithilfe der Hexerei und des Verbundes mit dem Teufel. In dieser Zeit glaubte schon die überwiegende Mehrheit nicht mehr an das Bund mit dem Teufel und die Hexerei. Doch die Familie des Dienstherrn, Tschudi, war sehr einflussreich. Im Prozess gegen Anna trafen die Anhänger der Familie Tschudi als Ankläger und Zeugen auf, sodass es für eine einfache Magd völlig unmöglich war, seine Unschuld zu beweisen. Als es im Laufe des Prozesses zum Verhör und Folter kam, hat Anna alles zugegeben, was von ihr verlangt worden ist.

In zweitem Teil des Buches widmet sich der Autor der Enthüllung der geheimen Akten in dem Fall Anna Göldi. Er hat Zugang zu den Prozessakten und glücklicherweise ist aus der Zeit ein ausführliches Tagebuch zu diesem Fall von einem aktiven damaligen Journalisten geblieben, sodass man auch die Skizzierung des Falls von einer unabhängigen Person lesen konnte. Was mich beeindruckt hat, ist das Verhör von Anna Göldi. Leider, muss ich an dieser Stelle sagen, dass der schweizerische Dialekt mit in das Verhör übernommen worden ist, sodass ich persönlich einige Probleme mit Verständnis und Lesefluss hatte. Dennoch beeindruckende Recherche von Hr. Dr. Walter Hauser.

In letztem Teil des Buches analysiert der Autor die Folgen von dem letzten Hexenprozess der Geschichte und erzählt über die Rehabilitierung Anna Göldi.

Diese Ausgabe des Buchs ist neu überarbeitet, da neue Erkenntnisse in dem Fall Anna Göldi dazu gekommen sind. Ich fand dieses Sachbuch lesenswert, jedoch stellenweise wegen des Dialekts für mich schwierig zu verstehen. Allerdings ist es ein geschichtliches Dokument, der Beachtung finden sollte. Durchaus interessant und zu empfehlen.

Von mir gibt es 4 Sterne.