Setz, Clemens J. - Monde vor der Landung

Dieser Roman ist genial, doch zugleich auch ein harter Brocken. In diesem Roman geht es um die Geschichte eines Mannes, Utopisten und Querdenker, der tatsächlich gelebt hat. "Monde vor der Landung" ist ein gut recherchierter Roman mit historischem Hintergrund. Theorien und Gedankenwelt von Peter Bender ist alles andere als gut verständlich und wirken zum Teil einfach nur verrückt. Auch wenn die Figur des Hauptprotagonisten durchaus widersprüchlich ist, wirkte er auf mich stellenweise sympathisch. Der Roman ist zweifelsohne intelligent und von einer ausgefallenen Idee, aber so kennt man Clemens J. Setz als Autor. Die Geschichte ist alles andere als leicht zu lesen, doch wenn man in dem verworrenen Gefüge Fuß fasst, kann man dem Erzählten gut folgen. Bedauerlicherweise bleiben die Emotionen eher auf der Strecke, ich blieb als Leserin auf Distanz. Alles in allem eine interessante Leseerfahrung.


 Kopka, Franzi - Gameshow - Das Versprechen von Glück

Eine ersehnte Fortsetzung von Gameshow. Mit großem Vergnügen habe ich das 2. Buch der Reihe gelesen. Das Wiedersehen von Cass und Jax hat mir Freude bereitet. Die Hauptprotagonistin des Romans, mir nach wie vor sehr sympathisch, erwacht auf der Krankenstation und für die Welt da draußen gilt sie als tot. Die Spiele in Arena finden nach wie vor statt, und so steht die Entscheidung an Seite der Rebellen zu kämpfen fest. Nebenbei wird eine zarte Liebesgeschichte erzählt. Auch in diesem Teil der Reihe geht es um Gewalt und Vertrauen. 

Das Einlesen fiel mir ausgesprochen leicht, da die Autorin anfangs auf das vorangegangene Teil Bezug nimmt. So werden die Erinnerungen aufgefrischt und man kann mit Spannung die weitere Geschichte um die mutigen Protagonisten verfolgen. Der Sprachstil der Autorin ist lebendig, emotional und bieten ein gelungenes Kopfkino. Die Idee zu der Reihe ist nicht neu, doch die Umsetzung ist mehr als gelungen. Empfehlenswert. 


 Staffel, Tim - Südstern

Inhaltlich handelt dieser Roman von Großstadtproblemen, es geht um einige Leute, die scheinbar willkürlich für diese Geschichte ausgewählt worden sind, um an ihrem Beispiel die Problematiken des Alltags dem Leser bewusst zu machen. Die Probleme sind vielschichtig: Mangel an Arbeitskraft, vor allem Pflegekräften, Überstunden, Ausgebranntsein, Ausländerhass, Lärm in einer Großstadt, Überstunden, Geldmangel. Es geht um die Realität, die allen Lesern wohl durchaus bekannt vorkommt. Kennzeichnend für diesen Roman ist die Erzählart: Knappe, prägnante Sätze in einer Staccato Art. Für mich viel zu nüchtern und emotionslos, sodass die Schicksale der Protagonisten mich nicht berühren konnten. 


 Holm, Ana - Gesichtersammler

Ana Holm erzählt in diesem Roman eine Geschichte eines Serientäters, der besonders gewaltsam und in seinen Methoden, ausgefallen ist. Seine Toten haben kein Gesicht mehr. Stattdessen bedeckt er die Gesichter mit einer Maske aus Vogelfedern. Eine Einführung in die Handlung gibt es nicht, der Leser wird sofort mit der Grausamkeiten konfrontiert. Für einen geübten Thrillerleser dürfte es jedoch kein Problem sein, sich auf die Effekte des Thrillers einzustellen. Die Opfer bleiben in diesem Roman nicht nur im direkten Sinne gesichtslos, sondern auch im Übertragenen. Viel Aufmerksamkeit wird den ermordeten Frauen nicht gewidmet. Der Thriller würde Lesern Freude bereiten, die sich an kurzen, prägnanten Sätzen erfreuen. Die Handlungen werden eher oberflächlich angeschnitten und nicht ausführlich beschrieben. Ich würde den Roman als minimalistisch bezeichnen, kaum Informationen, kaum Beschreibungen, knappe Sprache.


 Mackintosh, Clare- Spiel der Lügner

Hier liegt eine Fortsetzung der Reihe von Clara Mackintosh vor, mit der Hauptdarstellerin Ffion Morgan. Gleich zu Beginn möchte ich sagen, dass ich die Hauptprotagonistin sehr gerne mag. Eine ein wenig freche, junge Frau, die immer eine scharfe Bemerkung auf Lager hat und intelligent genug ist, um ihr Verhalten sympathisch zu finden. Dank Ffion habe ich den Thriller lesen wollen. Auch die Thematik von diesem Buch hat mich angesprochen: Reality-Show, ein Thema, das man wunderbar spannend erzählen kann. Diesmal, wie so oft, geht es um Geheimnisse der Teilnehmer, die nach und nach offenbart werden, wovon die Teilnehmer vor dem Beginn der Show noch nicht wussten. Der Sender hat es als Ziel, die Teilnehmer bloßzustellen. Gemein, aber so ist das Business. Die Voraussetzungen für einen unterhaltsamen Thriller waren auf jeden Fall vorhanden. Doch bedauerlicherweise, hat mich das Buch nicht überzeugt. Viel zu lange braucht die Autorin, um zum Kern des Problems zu kommen und die Geschichte tatsächlich zu beginnen. Denn zum Anfang geht es um leere Dialoge, Plattitüden und Banalitäten. Mir hat es wenig zugesagt. Für die Liebhaber, vielen Dialogen und zahlreichen Protagonisten wäre der Thriller sicherlich was. Doch ich bin enttäuscht, da mir das 1. Buch der Reihe ausgesprochen gut gefallen hat. Dennoch werde ich die Fortsetzung auf jeden Fall lesen, da Clara Mackintosh schon ein mal bewiesen hat, dass sie ausgesprochen lebendig und spannend erzählen kann. Außerdem freue ich mich auf das Wiedersehen mit der Hauptprotagonistin.


 Browne, Robert Gregory - Totenkult - Finde die Wahrheit

Die Geschichte erzählt von einem True Crime Reporter Nick Vargas. Seine Recherche führte ihn nach Mexiko, und er wird Zeuge eines grausamen Verbrechens, bei dem mehrere Personen aus nächster Nähe grausam umgebracht werden. Casa de la Muerte heißt der Ort, an dem die Gruppe von Nonnen brutal hingerichtet wird. Als Vargas sich dem Verbrechen nähert, erfährt er zu seinem Erstaunen, dass unter der Ermordeten auch eine Amerikanerin war, doch dies wird von der Mexiko Polizei verheimlicht. Was steckt dahinter? Und wieso versuchen die Behörden, die Wahrheit zu vertuschen? Gefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt. 

Von der ersten Seiten an spannend, erzählt Robert Brown die Geschichte eines erschreckenden Verbrechens. Was für diesen Thriller typisch ist, sind die unerwarteten Wendungen. Der Roman ist in mehrere Teile unterteilt und in jedem kommt eine noch spannendere Komponente hinzu. Unerwartet und ausgefallen. Mit der Wendungen habe ich als Leserin keinesfalls gerechnet. Die Kapitel werden aus der Sicht verschiedener Protagonisten erzählt, sind recht kurz gehalten, sodass das Gefühl entsteht, dass die Handlung sich sehr schnell entwickelt. Ein hohes Tempo ist für "Totenkult" kennzeichnend. Die Hauptthematik des Romans entwickelt sich nach und nach, und erst im letzten Drittel wird es näher mit dem Hintergrund des Verbrechens, schrecklichen Machenschaften einer Sekte, beschäftigt. Doch der Weg dahin ist fesselnd. Mit großem Vergnügen habe ich die Geschichte verschlungen. Der Roman ist wahrlich ein Pageturner. Sehr spannend und gut zugänglich. Kein angestrengtes Lesen, sondern pure Unterhaltung. Allerdings eine Warnung für die Leser, die mit Grausamkeiten in der Literatur nicht gut zurechtkommen. Der Thriller hat es in sich.


 Gray, David - Instinct – Der Tod in den Wäldern

Erzählt wird eine dystopische Geschichte aus Europa in 100 Jahren. Die Menschheit will das Klima retten und errichtet dafür große Naturreservate, die nur für die Mitarbeiter, Hüter der Wälder und Parks, zugänglich sind. Menschen haben sich zum Leben in die modernen Metropolen zurückgezogen. Die Hauptdarstellerin der Geschichte Elena wird befördert und in einem Naturreservat als Wildhüterin an der Nähe zu der polnischen Grenze eingesetzt. In einem überwiegend männlichen Team wird es deutlich, dass auch in 100 Jahren es eine unterschiedliche Behandlung von Frau und Mann im Beruf und im Leben gibt. Aber das nur noch so am Rande. Die Aufgabe des Teams ist das Überwachen der Wildpopulationen und Kampf mit den Wilderern. Außerdem ist vor vier Jahren ein Teammitglied verschwunden, sein Verschwinden wirft immer noch Fragen auf, sodass Elena und ihr Kollege Antworten auf das Rätsel zu finden hoffen. 

Die Thematik des Romans fand ich sehr ansprechend, auch die sprachliche Anpassung an die neu dazugekommenen Wörter, Begriffe und Ausdrücke war durchaus interessant. Als Leser braucht man jedoch einen Moment, bis man sich mit den Begriffen vertraut gemacht hat. Zusätzlich kurze Erwähnungen über das Leben in der Zukunft, in der Metropole, religiöse Eigenheiten, neue Musik- und Modetrends fand ich sehr unterhaltsam. Allerdings hätte ich diese Themen ausführlicher begrüßt. Was mir jedoch nicht zugesagt hat, war die langsame Entwicklung der Geschichte. Bei dreihundert Seiten hätte der spannende Teil der Story viel eher beginnen sollen. Doch so auch nach 150 Seiten fand ich die Entwicklung viel zu gemächlich und ohne ausdrücklicher Spannung. Durchaus interessante Idee zu dem Roman und für Liebhaber der Thematik auf jeden Fall ein Gewinn.
 

Nesbø, Jo - Blutmond

Es ist inzwischen das 13. Buch der Reihe von einem Bestsellerautor Jo Nesbø. Auf seine Thriller ist Verlass, wie auch auf seinen Hauptcharakter, der immer ein Stoff zum Nachdenken liefert. Harry Hole wird von vielen Leser als ein problematischer Charakter angesehen, da er von Schicksalsschlägen geplagt und von Alkoholkrankheit gezeichnet ist. Zahllose Abstürze liegen hinter ihm. Auch in diesem Roman berappelt sich der fähige Ermittler nach einem Zusammenbruch und dem Verfall dem Alkohol, doch ich mag Harry Hole ausgesprochen gerne. Mir sind menschliche Charaktere, die Ecken und Kanten haben und wie auch im realen Leben eine Menge Probleme mit sich bringen. Mit großer Freude an seinem Intellekt und seinen Fähigkeiten habe ich die Arbeit von Harry Hole, der diesmal als ein privat engagierter Ermittler arbeitete, verfolgt. Auch der Fall bestacht durch seine Besonderheiten, zum Teil reichlich eklig, doch auch informativ und ausgefallen. Brutal, unerbittlich, zum Teil schockierend, aber durchgehend fesselnd erzählt. Eine komplexe, zum Teil ein wenig verworrene Handlung ist typisch für den großartigen Autor. Meine Empfehlung hat dieser Thriller auf jeden Fall. Doch ich würde auf jeden Fall den Lesern nahelegen, diese Reihe von Anfang an zu lesen.
 

 McNamara, Luna - Psyche und Eros

Dank der Prophezeiung des Orakels von Delphi wird Psyche, Prinzessin von Mykene, zu einer Heldin erzogen. Trotz der Tatsache, dass sie ein Mädchen ist, legt ihr Vater, der König, darauf Wert, seine Tochter in allen kämpferischen Künsten zu unterrichten. Mit der Prophezeiung im Hinterkopf, dass Psyche eines Tages eine bedeutende Heldin sein wird, wächst das Mädchen auf. Als Eros einen Auftrag bekommt, die Psyche zu einer unerfüllten Liebe zu verdammen, sticht er sich selbst an dem Pfeil, und verliebt sich unsterblich in die schöne Psyche...

Eine schöne, fesselnde Geschichte aus der griechischen Mythologie. Mit Freude habe ich den Erzählstil des Romans registriert. Anstatt eines altbackenes, geschwollenen Stils, das für viele mythologischen oder märchenhaften Sagen eigen ist, begrüßt die Autorin ihre Leser mit einer lebendigen, durchaus modernen Sprache, die jedoch die Atmosphäre der Handlung sehr gut wiedergeben vermag und den Leser trotz der eher zeitgenössischen Ausdrucksweise in die Welt des Mythos von Psyche und Eros versetzt. Insgesamt fand ich den Erzählstil erfrischend, flüssig, gefühlvoll und auch spannungsgeladen. Die Charaktere der Geschichte zeichnen sich durch Ecken und Kanten aus, die wirkten auf mich authentisch und gut vorstellbar. Besonders imponiert hat mir, dass die Liebesbeziehung nicht gewaltsam in das Zentrum des Geschehens gerückt wurde, sondern viele anderen Aspekte, die in dieser Saga eine wichtige Rolle spielen, nicht nur am Rande erwähnt wurden. Eine unterhaltsame Darbietung einer Weltbekannten mythologischen Saga.

 Fields, Helen - The Institution

Helen Fields hat sich inzwischen als eine fähige Thrillerautorin fest etabliert. Ich mag ihre Bücher sehr gerne. Auch der neue Roman "The Institution" hat mich überzeugt. 

Diese Geschichte ist etwas anders, als gewalt- und actionreiche Thriller, die auf atemlose Spannung aus sind. Hier geht die Autorin eher gemächlich, ruhig und nüchtern vor. Doch dies gilt nur zum Beginn des Romans bis etwa die Hälfe. Die Geschichte spielt sich in einer psychiatrischen Hochsicherheitsanstalt, wo psychopathischen Straftäter, mehrfache Mörder untergebracht sind. Auch wenn der Leiter der Klinik die Insassen als Gäste bezeichnet, weiß jeder der Anwesenden ganz genau, um welches Kaliber der Mörder sich bei der Patienten handelt. 

Hierhin führt der Berufsweg, die fähige Dr.Connie Woolwine, die sich als ausgezeichnete Profilerin bewährt hat. Sie hat die Fähigkeit, sich in die Mörder zu versetzen. Die erste Hälfte des Romans berichtet von ihren verdeckten Ermittlungen innerhalb der Anstalt. Auf ein Ort reduziert, mit nicht allzu vielen Charakteren ist der Roman recht intensiv und bereitet Spaß über die Ermittlungen und Arbeit mit Insassen zu lesen. Ganz besonders haben mir die Kapitel, die immer einem einzelnen Täter gewidmet waren, gefallen. Eindringlich und düster. 

Die zweite Hälfte des Romans ändert sich jedoch im Tempo der Erzählung. Ein Ereignis jagt das andere, das Geschehen entwickelt sich schnell. Die Änderung der Erzähltaktik und des Tempos fand ich gekonnt eingesetzt. Den Rest der Geschichte liest man in einem Fort. 

Mir hat der Roman sehr gut gefallen. Erfrischend fand ich, dass das Setting und Konzentration auf wenige Protagonisten nicht unter typischen Thriller einzuordnen sind. Eine fesselnde Geschichte. Dieser Autorin bleibe ich treu.