Cullen, Lynn - Die Formel der Hoffnung

Eine Thematik, die mich sehr interessiert. Historisch medizinischer Roman über die Arbeit einer Pionierin der Forschung, die nur einen Wunsch hat, die Kinderlähmung zu bezwingen. Die Handlung spielt sich um die 40er Jahre herum. Dorothy, die Hauptdarstellerin dieser Geschichte, hat sich schon immer für die Forschung interessiert und darauf hingearbeitet. Die erkrankten Kinder lagen ihr am Herzen und nichts wollte sie sehnlicher als eine Impfung gegen der Erkrankung zu erschaffen. Der informative Teil des Romans hat mir sehr gut gefallen, doch die gesamte Umsetzung hat mich nicht überzeugt. Bedauerlicherweise empfand ich die Erzählung als distanziert, wobei für mich persönlich eine sehr große Rolle spielt, ob ich emotional in die Geschichte involviert bin. Hier war es nicht der Fall, auch wenn mich gedanklich die Schicksale der Betroffenen durchaus bewegten. Doch die Charaktere des Romans blieben mir fern. Gut gelungen ist die Darstellung der Rolle der Frauen in der damaligen Gesellschaft, vor allem in der Wissenschaft. Es ist bereichernd, dass hiermit ein Roman über die geschichtliche Person Dorothy Horstmann geschrieben worden ist.


 Strobel, Arno - Der Trip

Im neuen Thriller von Arno Strobel wird die Geschichte einer forensischen Psychologin Evelin erzählt. Vor zwei Jahren ist ihr Bruder in Frankreich verschwunden, seit dem ist sie eher als psychisch labil zu bezeichnen, vor allem als es sich herausstellt, dass der Mörder, der aktuell sein Unwesen auf den Campingplätzen treibt, nach Zeugenaussagen, unglaublich ähnlich ihrem verschollenen Bruder aussieht. 

Die Geschichte entwickelt sich durchaus spannend, obwohl der Plot eher einfach gehalten wird, was man als Leser von Arno Strobel kennt. Die Details fügen sich nach und nach zu einem umfassenden Bild zusammen, doch als Leser stellt man relativ früh einige Vermutungen, die sich dann am Ende des Romans, bestätigen. 

Dieser Thriller ist kein großer literarischer Wurf, doch ich würde den gerne an die Leser empfehlen, die fesselnde Unterhaltung in Pageturner Manier suchen. "Der Trip" lässt sich schnell und flüssig lesen, bietet zwar keine sympathischen Protagonisten, doch einen interessanten Plot und vor allem Unterhaltung, bei der man sich völlig entspannen kann und nicht nachdenken braucht.


Melzener, Axel/Neviandt, Julia Nika -  Schatten über Colonia

Die Geschichte beginnt spannend, es gibt Unruhen in der römischen Stadt Colonia. Schnell wird vermutet, dass die Germanen an den Raumüberfällen schuld sind. Ist es so, oder versucht da jemand etwas zu vertuschen? Die Hauptprotagonisten des Romans sind der Anwalt Quintus Tibur und eine junge Römerin namens Lucretia, Tochter eines Händlers. Lucretia genießt recht freies Leben im Haus ihrer Eltern, in ihrem Alter sollte sie eigentlich verheiratet sein, doch das steht nicht auf ihrem Lebensplan. Die junge Frau ist gebildet, wissbegierig und klug. Ihr Interesse gilt dem Gericht, und als sie in einen Vorfall mit den Überfällen verwickelt wird, möchte sie die Schuldigen finden. Zusammen mit dem Anwalt Quintus Tibur, einer durch und durch sympathischen Person, will sie die Vorfälle aufklären. 

Der Schreibstil der Geschichte ist leicht, verständlich, flüssig zu lesen und durchaus angepasst an die Zeiten der Handlung, die im Jahr 87 nach Christus angesiedelt ist. Sehr viele historischen Fakten und Elementen sind in die Erzählung eingebunden, und tragen dem Spannungsbogen bei. Der kriminalistische Fall entwickelt sich recht langsam, und kommt zu dem Höhepunkt erst im letzten Drittel des Romans. Ganz besonders gut hat mir der historische Teil gefallen. Es geht um die Gesellschaft, Politik, Sitten und Bräuche damaligen Zeit. Fand ich sehr interessant. Weniger angesprochen haben mich die Ermittlungen. Mit diesem Buch habe ich für mich ein neues Genre entdeckt: historische Krimis. Unterhaltsam zu lesen und was noch schöner ist, sehr informativ. Ich würde das Buch weiterempfehlen.
 

 Robinson, Brooke - Die Dolmetscherin

In diesem Roman geht es um das Leben einer noch jungen Frau, die einen sechsjährigen Jungen in der Pflege hat, und adoptieren möchte. Doch Hauptdasein der Protagonistin ist ihre Arbeit als Dolmetscherin. Was auch das Thema des Romans ist, den man übrigens kaum als Thriller bezeichnen kann. Sie übersetzt in Gerichtsprozessen überwiegend, sowohl für Opfer als auch für Täter. Eines Tages begeht sie einen Bruch ihrer Überzeugungen und übersetzt falsch, damit ein Angeklagter auch tatsächlich verurteilt wird...

Neben dem Haupterzählstrang, gibt es eine andere Handlung, die der Verständlichkeit halber in Kursiv gedruckt wird. Lange Zeit weiß der Leser nicht, worum es da geht. Was dem Spannungsbogen, der auch so schon kaum vorhanden ist, kaum dienlich ist. 

Der Roman beginnt sehr langatmig, und entwickelt sich auch nicht wirklich zu einem Thriller. Selten so ein langweiliges Buch gelesen. Mich hat die Geschichte keineswegs gepackt und auch gar nicht überzeugt. Leider gibt es hier für keine Leseempfehlung.  


 Newman, Catherina - Und wir tanzen, und wir fallen

Ein Titel eines Buchs spielt für mich sehr große Rolle, das ist das 1. worauf, ich achte, und wobei ich neugierig werde. Bei dem Titel "Und wir tanzen, und wir fallen" wusste ich, dass ich diesen Roman lesen möchte. Ich musste dabei an das Leben an sich denken, wir alle haben positive und negative Phasen, wir bewegen uns, arbeiten, leben, tanzen durch das Leben, doch wir fallen auch. Tragisch, traurig - ja, doch es gehört zum Leben dazu. 

In diesem Roman wird ein schwieriges Thema angesprochen. Tödliche Erkrankung, Verlust, Abschied. Doch es geht um so viel mehr. Es geht um Freundschaft, um die Bereitschaft, das Leben zu lieben, wie es ist, um die Fähigkeit, auch die Schwierigkeiten, die zunächst unüberwindbar erscheinen, zu bewältigen. 

Ein warmherziger Roman, der ein wenig chaotisch wirkt, wobei dies authentisch wirkt, wenn man die Freundin von der Hauptdarstellerin, beobachtet. Stellenweise erscheint der Roman schräg, und einige der Gedanken und Dialoge prasseln auf einen völlig ungefiltert ein, doch man liest sich ein und versteht die Protagonisten immer besser. Obwohl die Geschichte an sich traurig ist, bleibt es kein dramatischer Eindruck. Trotz des Abschieds ein Leben bejahendes Buch.


 Dugoni, Robert - Ein letzter Mord

 Der neue Thriller aus der Tracy-Crosswhite-Serie beschäftigt sich mit einem Cold Case. Vor fast dreißig Jahren gab es um die Route 99 eine Serie von Morden, die Frauen, zum Teil, Prostituierten, wurden vergewaltigt und stranguliert. Die Mordserie hat verständlicherweise um großen Aufsehen gesorgt. Doch die Ermittler waren damals machtlos. Nach all den Hinweisen oder Lösungsideen kamen die zu keinem befriedigenden Ergebnis. Als die Morde sich jährten, wollen die Medien einen großen Artikel dazu herausbringen, was der Anlass ist, Tracy Crosswhite mit dem Fall erneut zu beauftragen. 

Dieser Roman der Reihe ist sehr komplex. Nach meinen Begriffen ein wenig zu verworren, um entspannt der Handlung folgen zu können. Zahlreiche Protagonisten und Namen aller möglichen Beteiligten überhäufen den Text. Außerdem sorgten die zahlreichen Wiederholungen für wenig Spannung. Die Machtverhältnisse der Polizeichefin standen zu sehr im Vordergrund, denn es gab zahlreiche Seiten, die die internen Vorgänge und Intrigen beschrieben. Das minderte die Spannung in dem vorliegenden Fall. Das Zusammenspiel zwischen den dienstlichen Vorgängen in einem Polizeipräsidium und der Ermittlung empfand ich nicht in einem Gleichgewicht. Da mich die interne Arbeit und die Vorgehensweise der Polizei doch eher in diesem Ausmaß weniger interessieren, habe ich die Arbeit an dem Fall vermisst.

 



 Herbst, Lucia - Persephone: Verdammt mächtig

Das vorliegende Buch ist das 2. Teil einer Reihe. Ich habe es ohne Vorkenntnisse gelesen und fand, dass der Roman auch unabhängig von der Reihe gelesen werden kann. Doch vermutlich, um die Geschichte gänzlich zu begreifen, wäre es vom Vorteil auch die Entwicklung der Protagonisten aus dem 1. Teil zu kennen. Ich will das nachholen, denn ich bin mit der Erzählung von Lucia Herbst sehr zufrieden. 

Erzählt wird die Geschichte von einem mächtigen Gott der Unterwelt, Hades. Eine dunkle, mystisch wirkende, leidenschaftliche Gestalt. Sein Gegenpart spielt seine große Liebe, die Frühlingsgöttin Persephone. Eine Göttin, die von inneren Widersprüchlichkeiten und Konflikten zerrissen wird. Ihre Gedanken und Handlungen waren für mich persönlich, stellenweise schwer nachvollziehbar. 

Die Handlung gefiel mir ebenfalls, zwar erinnert doch sehr an die mythologischen Sagen, die wir wohl alle kennen, doch da ich mich nicht mehr im Detail an den Mythos erinnern kann, fand ich die Darstellung dieser Reihe sehr erfrischend. Der Erzählstil ist an die Mythologie angepasst und wirkt für die Geschichte authentisch, auch wenn Elemente der modernen Welt vorkommen. Alles in allem eine emotionale und leidenschaftliche Geschichte einer toxischen Beziehung in einer schönen Sprache. Mir hat es gut gefallen.


 Laurence, Margaret - Das Glutnest

Die Werke von Margaret Laurence wollte ich schon lange mal kennenlernen. Nun habe ich es mit dem Roman "Das Glutnest" versucht. Die Erzählart der Autorin hat mir sehr gut zugesagt. In diesem Roman geht es um eine 39-jährige Frau, Ehefrau, Hausfrau und Mutter von vier Kindern. Mit 19 hat sie ihr Heimatort verlassen und wohnt mit ihrem Mann und Kindern zusammen. Von der ersten Seiten an spürt der Leser eindeutig, dass Stacey unglücklich und unzufrieden ist. Das Hausfrauen-Dasein füllt sie keineswegs aus. Im Gegenteil, die Frau lebt eine existenzielle Krise durch, sie fragt sich, wer sie ist, und ob das ganze Leben einen Sinn macht. Ihr Ehemann ist da nicht sonderlich hilfreich, denn es handelt sich dabei um einen wortkargen Partner, mit wenig Verständnis für die festgefahrene Situation seiner Frau. Stacey langweilt sich und kommt aus dem Hamsterrad nicht raus. Zugegeben, ich habe mich bei diesem Roman auch gelangweilt. Auch wenn man die Autorin für einen guten Sinn für Humor loben muss. Ebenfalls die Erzählperspektiven haben mir gut gefallen. Der Wechsel zwischen Ich-Perspektive, Schilderungen aus der 3. Person und Rückblicke in die Vergangenheit, haben einen interessanten und abwechslungsreichen Charakter der Geschichte verliehen. Auch die Entwicklung der Charaktere fand ich gut gelungen, durchaus realitätsnah. Die Rolle der Frau in der Familie und der Gesellschaft damaliger Zeit ist bedauerlicherweise nach wie vor aktuell. Doch persönlich konnte ich mit der Protagonistin nicht identifizieren und hatte Schwierigkeiten ihren Charakter und ihre Art zu akzeptieren. Alles in allem eine interessante Unterhaltung, doch vermutlich nur für bestimmte Leserschaft gut geeignet.


 Johnson, Josephine W. - Die November - Schwestern

Mit gerade einmal 24 Jahren erhielt Josephine Johnson für ihren Debütroman »Die November-Schwestern« den Pulitzer-Preis. 

Und das völlig zu Recht. 

Erzählt wird über die Familie Haldmarne, vor allem von drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Das Leben auf dem Land ist schwierig, in Armut, Nöten und einem ständigen Kampf ums Überleben. Das Oberhaupt der Familie, als alleiniger Mann im Haus, hat es nicht leicht, von lauter Frauen umgeben zu sein. Auf dem Feld lässt er sich von den Mädchen nicht helfen, da diese eher der Mutter unterstellt sind. Von dem Schuldenberg erschlagen entschließt er sich einen neuen Arbeiter zur Hilfe zu holen, da sein vorheriger eine besser bezahlte Anstellung im Straßenbau gefunden hat. Als der junge Mann dazu kommt, ändert sich das Leben der Familie, vor allem aber das Verhalten der Mädchen. 

Die Figuren des Romans sind keineswegs scharf gezeichnet, vieles wird nur angedeutet und nicht bis ins kleinste Detail zerredet oder betrachtet, dennoch transportiert die Geschichte die Grundstimmung des Romans beeindruckend gut. Nur skizziert stellt die Autorin das schwere Leben der Familie dar, wobei bei 222 Seiten ist es auch nicht zu erwarten, dass der Roman allzu ausführliche Beschreibungen bietet. Eine Handlung im klassischen Sinne gibt es in dem Roman nicht. Viel Aufmerksamkeit wird in dem Roman der Natur und der ländlichen Umgebung gewidmet. In einer kraftvollen und poetischen Sprache schildert die Autorin den Alltag der Familie. Stilistisch eine beeindruckende Geschichte, die eher durch die erzählerischen Fähigkeiten der Autorin besticht.


 Watson, Sue - Die Frau nebenan

Der vorliegende, neue Thriller von Sue Watson bietet eine kurzweilige Unterhaltung. In der Geschichte geht es um eine prominente Nachbarin, die neu zugezogen ist, Stalking, Lügen, Täuschungen und natürlich Mord. Doch das Verbrechen steht nicht im Mittelpunkt des Geschehens, viel mehr geht es um ein psychologisches Porträt zwei konkurrierenden Frauen mit all ihren negativen und hässlichen Eigenschaften. Der Roman bietet eine entspannte, durchaus fesselnde Unterhaltung, jedoch bleibt nicht in Erinnerung. Überraschenden Wendungen oder eine ausgefallene Idee findet der Leser in diesem Buch eher weniger, allerdings Entspannung vom Alltag, einige Lesestunden am Wochenende, ohne groß nachdenken zu müssen. Die Geschichte ist im Großen und Ganzen vorhersehbar, doch leicht und locker erzählt, sodass der Roman sich sehr schnell lesen lässt. Für kurzen Ausflug aus dem Alltag gut geeignet.