Morris, Brandon Q. - Die Schmiede Gottes
„Die Schmiede Gottes“ von Brandon Q. Morris präsentiert sich als ambitionierter Science-Fiction-Roman, der große kosmische Ideen mit harter Wissenschaft verbinden will, dabei aber nicht immer die gewünschte erzählerische Balance findet. Inhaltlich geht es um eine existenzielle Bedrohung für die Menschheit aus dem All, die scheinbar von einer technologisch weit überlegenen Macht ausgeht. Wissenschaftler und Raumfahrtorganisationen versuchen zu verstehen, womit sie es zu tun haben, während klar wird, dass diese Bedrohung weniger ein klassischer Angriff als vielmehr ein Test für die menschliche Zivilisation sein könnte.
Kritisch betrachtet fällt zunächst die sehr starke Fokussierung auf technische und wissenschaftliche Details auf. Morris erklärt Physik, Astrophysik und Raumfahrttechnik äußerst ausführlich und mit hohem Anspruch, was zwar fachlich beeindruckend ist, den Lesefluss jedoch deutlich bremst. Ganze Passagen lesen sich eher wie populärwissenschaftliche Abhandlungen als wie ein Roman. Die Spannung leidet darunter spürbar, da Handlung und Konfliktentwicklung oft zugunsten theoretischer Überlegungen in den Hintergrund treten.
Ein weiterer Schwachpunkt sind die Figuren. Für mich, der wichtigster Kritikpunkt. Viele Charaktere bleiben blass und austauschbar, ihre persönlichen Motive und inneren Konflikte werden kaum vertieft. Entscheidungen wirken häufig rein rational und funktional, was zwar zur wissenschaftlichen Ausrichtung des Romans passt, emotional jedoch Distanz schafft. Gerade angesichts der existenziellen Bedrohung für die Menschheit hätte man stärkere emotionale Reaktionen, moralische Dilemmata oder persönliche Opfer erwartet, die der Geschichte mehr menschliche Tiefe verliehen hätten.
Auch das Erzähltempo ist problematisch. Der Roman zieht sich über weite Strecken, ohne dass wirklich neue Impulse gesetzt werden. Wiederholungen von bereits erklärten Sachverhalten und das erneute Durchkauen bestimmter theoretischer Annahmen verstärken den Eindruck von Langatmigkeit. Die eigentliche Kernidee – die Menschheit als Objekt einer kosmischen Prüfung – ist zwar faszinierend, wird aber erzählerisch nur langsam und teilweise umständlich entfaltet.
Positiv hervorzuheben ist dennoch die Konsequenz, mit der Morris seine wissenschaftliche Vision verfolgt. Die Bedrohung wirkt glaubwürdig, weil sie nicht auf magischen oder spekulativ-esoterischen Elementen basiert, sondern auf nachvollziehbaren physikalischen Konzepten. Auch die philosophische Dimension des Romans, die Fragen nach der Stellung des Menschen im Universum und nach dem Sinn von Fortschritt und Zivilisation aufwirft, ist grundsätzlich stark angelegt, wenn auch nicht immer elegant umgesetzt.
Insgesamt ist „Die Schmiede Gottes“ ein Roman mit großem intellektuellem Anspruch, der jedoch erzählerisch hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Für Leserinnen und Leser, die vor allem an harter Science-Fiction, realistischen Zukunftsszenarien und komplexen wissenschaftlichen Gedankenspielen interessiert sind, kann das Buch dennoch reizvoll sein. Ich widme mich anderen Werken des Autors.